Advanced Photo System

thumb|300px|kleine APS-Kamera mit Film

Das Advanced Photo System (APS) war der Versuch einer umfassenden Modernisierung der Fototechnik. Die Hybridtechnologie des APS wurde offiziell am 22. April 1996 von den Kamera- und Filmherstellern Canon, Fujifilm, Kodak, Minolta und Nikon vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Bei dem Advanced Photo System handelt es sich nicht nur um ein neues Filmformat, es wurde vielmehr versucht, vor allem in drei Aspekten fototechnische Neuerungen einzuführen:

Neues Filmmaterial: Die zum Marktstart von APS ebenfalls neu eingeführten APS-Filme bieten eine geschlossene Filmkassette, besonders dünne Schichtträger und verbesserte Filmemulsionen sowie ein ebenfalls neues Negativformat (16,7 mm × 30,2 mm). Der APS-Film verfügt außserdem über optische und magnetische Datenspuren, die einen Datenaustausch zwischen Kamera, Film und verarbeitendem Labor möglich machen (IX, Information Exchange); er wird in Konfektionierungen mit 15, 25 oder 40 Aufnahmen angeboten. Der APS-Film verbleibt, außer zur Belichtung und Entwicklung, immer in der Kassette und muss in geeigneten Archivsystemen aufbewahrt werden.

Neuartige Kameras: Durch APS konnten besonders leichte und kompakte APS-Kameras mit neuartigen Funktionen realisiert werden; dazu gehört beispielsweise das komfortable Filmeinlegen durch Drop-In-Loading sowie der Datenaustausch zur Erzielung einer konstanten Bildqualität (PQI, Print Quality Improvement). Eine Besonderheit war die Auswahl verschiedener Bildformate mit drei definierten Seitenverhältnissen: Standard war das High-Definition-Format (H) mit einem Seitenverhältnis von 16:9, daneben gab es das Classic-Format (C) mit einem Verhältnis von 2:3 (dies entsprich dem Seitenverhältnis von Kleinbild-Kameras) und das Panorama-Format (P) mit dem extremen Verhältnis von 1:3. Dabei wird der Film stets im H-Format belichtet, die entsprechenden Randbereiche werden nur im Sucher und bei der Erstellung von Papierabzügen ausgeblendet. Durch das recht kleine Filmformat wurden kleine und leichte Kameras möglich: Typische APS-Kompaktkameras wie die Canon IXUS II wiegen etwa 170 Gramm und können als Vorläufer moderner Digitalkameras betrachtet werden - Canon verwendet den Namen IXUS inzwischen auch für digitale Kompaktkameras.

Optimierte Laborverarbeitung: APS-Kameras können aufnahmespezifische Daten auf den APS-Film speichern; entsprechend eingerichtete Foto-Labors können diese Informationen auswerten und beispielsweise den Titel eines Bildes auf die Rückseite des Prints aufdrucken. Das Labor erhält über APS außerdem das gewünschte Seitenverhältnis sowie die gewünschte Anzahl der Abzüge mitgeteilt. Mit den für die Verarbeitung von APS-Filmen modernisierten Labormaschinen fand auch der Index Print erstmals Verbreitung.

APS-Kameras

Zu den erfolgreichsten APS-Kameras gehören die Modelle der IXUS-Serie von Canon, deren Design und Ausstattungsmerkmale auch in eine entsprechende Digitalkamera-Modellreihe übernommen wurden. Diese Kameras bieten typische APS-Funktionen wie die Möglichkeit, teilbelichtete Filme auszuwechseln (Mid-Roll-Change) sowie zahlreiche PQI-Daten (Laufrichtung des Films, Blitzeinsatz, Blitzmodus, Zoomfaktor, Motivhelligkeit, Kunstlicht und Lichtverhältnisse).

Nur wenige APS-Kameras nutzen die Möglichkeiten des Advanced Photo System aus; zu diesen wenigen Ausnahmemodellen gehört beispielsweise die Vectis S1 von Minolta, die über eine so genannte FTPM-Funktion für feste Print-Belichtungszeiten verfügt. Ein weiterer "Sonderling" ist die Fotonex 3500 ix Zoom MRC von Fujifilm, die auch teilbelichtete Filme weiterbelichten kann (Mid-Roll-Change).

Zusatzgeräte

Als Ergänzung zu den APS-Kameras bieten Zubehörhersteller eine Reihe von Zusatzgeräten an. Beispielsweise gibt es APS-Player, mit denen die Bilder einer APS-Kassette am Fernseher betrachtet und die Daten auf der Magnetspur des Films modifiziert werden können. Mit einem APS-Scanner können Bilder von APS-Filmen in den Computer eingelesen und digital weiterverarbeitet werden.

Nachteile

Das Advanced Photo System bietet eine Reihe praktischer Neuerungen, die sich vor allem an Fotoamateure richten. Dem gegenüber steht jedoch eine Fülle von Nachteilen. So ist das System in nahezu jeder Beziehung inkompatibel mit dem Kleinbild- oder Mittelformat, vorhandenes Systemzubehör muss in der Regel neu angeschafft werden und eine Verarbeitung im eigenen Labor ist nahezu unmöglich. Auch die kommerziellen Fotolabors brauchen neue Maschinen zur Verarbeitung von APS-Filmen; diese relativ teuren Geräte verbreiteten sich erst Jahre nach der Markteinführung von APS und unterstützten nur die Grund-Informationen, die durch Datenaustausch (IX und PQI) eigentlich möglich gewesen wären.

Die APS-Filme bieten, trotz dünnerer Schichtträger und verbesserter Emulsionen, aufgrund ihres verringerten Negativformats, eine deutlich geringere Bildqualität als der verbreitete 35-mm-Film des Kleinbildformats. Die besseren Emulsionen wurden zudem sehr schnell auch bei Filmen im Kleinbildformat eingesetzt, sodass dieser ursprüngliche Vorteil wegfiel. Ambitionierte Fotografen sind bei APS außerdem mit einem sehr begrenzten Angebot an Filmmaterialien konfrontiert: Schwarzweiß- oder Diafilme sowie hochempfindliche Filme werden nur selten oder gar nicht angeboten. Auch die Kamerahersteller versäumten es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Möglichkeiten des APS in ihren Produkten vollständig zu implementieren.

Marktbedeutung

Das APS-Format konnte sich am Markt nicht durchsetzen und hat seit dem Dominieren von Digitalkameras im Consumer-Segment nahezu keine Bedeutung mehr; die meisten Kamerahersteller haben ihre APS-Modellreihen zwischen 2001 und 2002 eingestellt oder lassen diese auslaufen. Auch die Eastman Kodak Company, einer der Initiatoren von APS, kündigte an, die Produktion für APS-Kameras weltweit Ende 2004 einzustellen.

Diverse mit APS eingeführte Neuerungen wurden jedoch in neuere Kleinbildkameras übernommen, so z.B. die Möglichkeit zum komfortablen Auswechseln eines teilweise belichteten Films (Mid-Roll-Change bzw. Mid-Reload) sowie der Index Print.

Auch in Digitalkameras finden sich verschiedene Konstruktionsmerkmale der kompakten APS-Kameras wieder, und das EXIF-Dateiformat zeichnet dieselben Informationen auf, die auch mit den PQI-Daten bei APS gespeichert werden konnten.

QuellenLiteratur


en:Advanced Photo System ja:?????????????


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