Alaun

Dieser Artikel basiert auf einem Text aus Merck's Warenlexikon


Alaun (lat. Alumen, frz. Alun, engl. Alum) wurde früher nur das kristallisierte wasserhaltige schwefelsaure Doppelsalz von Kalium und Aluminium (Kaliumaluminiumsulfat) genannt. Neuerdings bezeichnet man so bisweilen auch das entsprechende Ammoniumaluminiumsalz, während der Name: Alaune für alle schwefelsauren Doppelverbindungen gleichartiger chemischer Konstitution gilt, wobei dann das für Kalium bzw. Aluminium eintretende Metall der Bezeichnung vorgesetzt wird, z. B. Chromalaun für das schwefelsaure Doppelsalz von Kalium und Chrom. Alaune haben immer die Zusammensetzung MIMIII(SO4)2, wobei MI einwertigen Metallkationen wie die Alkalimetalle und Thallium oder auch Ammoniak sind, MIII können nahezu alle dreifach positiv geladenen Metallkationen sein, am häufigsten handelt es sich um Aluminium, Chrom und Eisen. Sämtliche Alaune kristallisieren im regulären System, meist in der Oktaederform mit 24 Molekülen Wasser.

Inhaltsverzeichnis

Gewinnung

Zur Gewinnung des gewöhnlichen Kalialauns wird schwach gebrannter, möglichst eisenfreier Ton mit 50 %- iger Schwefelsäure in der Wärme behandelt, wobei sich unter Abscheidung von Kieselsäure der eine Bestandteil des Alauns, die schwefelsaure Tonerde, bildet. Nach dem Verdünnen mit Wasser und Entfernen des unlöslichen Rückstandes, der Kieselsäure, wird Kaliumsulfat oder auch Chlorkalium hinzugesetzt, und das sich dabei als feines Pulver abscheidende »Alaunmehl« durch Umkristallisieren aus heißem Wasser gereinigt und in große Kristalle verwandelt. In gleicher Weise kann man Bauxit oder Kryolith verarbeiten.

In einigen Gegenden fabriziert man Alaun auch aus Alaunschiefer, einem mit Schwefeleisen und Kohle durchsetzten Tonschiefer, der geröstet und dann ausgelaugt wird. Hierbei liefert das Schwefeleisen die zur Bildung von Aluminiumsulfat nötige Schwefelsäure. Die Entfernung des Eisens wird durch geeignete Wahl der Konzentration der Lösung bewirkt und dann wie bei obigem Verfahren das »Alaunmehl« erzeugt. - Bei Tolfa in Italien und bei Munkacs in Ungarn kommt schließlich ein »Alaunstein« oder »Alunit« genanntes Mineral vor, welches ein basisches Kaliumaluminiumsulfat ist. Dieses Material wird geröstet und mit heißem Wasser ausgelaugt, wobei unlösliche Tonerde zurückbleibt, während sämtliche Bestandteile des Alauns in Lösung gehen und sich beim Erkalten in gewöhnlich durch fein verteiltes Eisenoxyd schwach rötlich gefärbten Kristallen abscheiden.

Kalialaun

Der Kalialaun, KAl(SO4)2·12 H2O, enthält 45,5 % Kristallwasser, bildet farblose, durchsichtige, bisweilen sehr große Kristalle, die sich erst bei längerem Lagern an der Luft mit einem feinen, weißen, undurchsichtigen Häutchen von verwitterter Substanz überziehen, schmeckt herbe und zugleich süßlich und kann in größeren Dosen schädlich wirken. Das spez. Gew. wird von Kopp zu 1,924 angegeben. Beim Erwärmen schmilzt der A. zunächst in seinem Kristallwasser und hinterlässt schließlich eine lockere, weiße, undurchsichtige Masse, die man gebrannten A. (Alumen ustum) nennt. Seine Löslichkeit ist in heißem Wasser sehr groß, in kaltem sehr gering, so dass die Reindarstellung verhältnismäßig leicht gelingt; die Lösung reagiert sauer. Als häufigste Kristallform zeigt sich das Oktaeder, an welchem zuweilen die Würfelflächen abstumpfend auftreten. Besonders ist dies bei dem früher seiner Reinheit wegen hochgeschätzten römischen A. der Fall, welcher deshalb auch kubischer oder Würfelalaun genannt wurde. Die Würfelform lässt sich dadurch erzielen, dass man zu der heißen konzentrierten Lösung Pottasche, Soda oder Ammoniak hinzusetzt, bis ein bleibender Niederschlag entsteht, und dann erst erkalten lässt. Solche Kristalle heißen neutraler oder abgestumpfter Alaun und sind, chemisch betrachtet, basische Salze.

Verwendung

Der Alaun findet vielfache Verwendung, wobei fast stets nur das Aluminiumsulfat in Wirksamkeit tritt. In der Papierfabrikation dient er zum »Leimen«, in der Gerberei zum Weißgarmachen der Häute, in der Kattundruckerei und in der Zeugfärberei zum Beizen. Ferner wird er benutzt zum Wasserdichtmachen von Zeugstoffen, die nachher durch Ölsäure gezogen werden, zum Klären von Flüssigkeiten usf. In vielen Fällen muss der Alaun vollkommen frei von Eisen sein, dessen Gegenwart mittels Blutlaugensalz (Blaufärbung) nachgewiesen wird. In der Färberei und Weißgerberei benutzt man jetzt vielfach statt des Alaun die schwefelsaure Tonerde selbst (siehe Schwefelsäure), welche daher auch oft als »konzentrierter Alaun« bezeichnet wird. - Ammoniakalaun (Alumen amoniacale), (NH4)Al(SO4)2·12 H2O, wird entsprechend dem Kalialaun hergestellt, indem man Aluminiumsulfat statt mit Kaliumsulfat mit Ammoniumsulfat versetzt. Er enthält 49,62 % Kristallwasser, ist leichter in kaltem Wasser löslich als der gewöhnliche Alaun und wird wie dieser verwendet. Der Gehalt an wasserfreiem Aluminiumsulfat beträgt beim Kalialaun 10,8 %, beim Ammoniakalaun 11,9 % und beim sog. konzentrierten Alaun (s. o.) 15,4 %. Ammoniakalaun, welcher übrigens häufig ein Gemisch mit Kalialaun ist, gibt beim Behandeln mit Ätzkali den stechenden Geruch nach Ammoniak (Salmiakgeist). - Natronalaun wird nur selten benutzt, da er schnell verwittert, trübe wird und schließlich zu einem weißen Pulver zerfällt. - Der Chromalaun, KCr(SO4)2·12 H2O (Alumen chromicum), in welchem das Aluminium durch Chrom ersetzt ist, wird vielfach als Abfallprodukt der Teerfarbenfabriken, welche die Chromsäure als Oxydationsmittel benutzen, erhalten und in der Färberei und Gerberei verwandt. Er besteht aus bei auffallendem Lichte fast schwarzen, bei durchfallendem Lichte dunkelroten Oktaedern, die sich in Wasser mit violetter Farbe lösen. Alaun wird auch dazu verwendet, eine ungiftige Knetmasse herzustellen. Häufigste Anwendung im täglichen Leben ist der Alaunstift.

Geschichte

Die Ägypter nutzen Alaun bereits als Flammschutzmittel für Holz. Gefundene Stücke stammen aus dem Jahr 450 vor Christus. Auch die Römer nutzen es zu diesem Zweck, noch zusätzlich mit Essig versetzt.

Während der Zeit des 14. und 15. Jahrhunderts besaß die Florentiner Familie der Medici das alleinige Vergütungsrecht auf dieses zur Tuchherstellung nötige Mineral.

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