Amateurfotograf

Als Amateurfotograf, Fotoamateur oder (leicht abwertend) Knipser bezeichnet man einen Fotografen, der nichtberuflich Bilder aufnimmt; der Begriff bildet daher einen Gegensatz zum so genannten professionellen bzw. Berufsfotografen, der seinen hauptberuflichen Lebensunterhalt mit dem Anfertigen von Fotografien bestreitet. Teilweise wird auch ein Unterschied zum Kunstfotografen konstruiert, dieser ist jedoch keinesfalls zwingend.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale und Abgrenzung

Die Unterscheidung zwischen Amateur- und Berufsfotograf bezieht sich ausschließlich auf die berufliche Tätigkeit und enthält keine Abwertung des Amateurs. Der Amateurfotograf nimmt überwiegend sein familiäres und privates Umfeld auf, fotografiert auf Reisen, im Urlaub und bei familiären Anlässen. Beliebte Genres der Amateurfotografie sind auch die Kinder- und (Haus-) Tierfotografie.

Teilweise wird auch der engagierte Fotoamateur vom einfachen Fotoamateur unterschieden, wobei der engagierte Amateurfotograf teilweise auf professionellem Niveau fotografiert. Die engagierten Fotoamateure investieren viel Geld und Zeit in ihr bedeutendstes Hobby, sind häufig aktive Mitglieder in Fotoclubs und nehmen an Fotowettwerben teil. Ein Teil dieser "Edelamateure" vermarktet seine gelungensten Aufnahmen semi-professionell für Bildarchive oder in nebenberuflicher Mitarbeit bei Lokalzeitungen. Die Fotografie bietet dem engagierten Fotoamateur dadurch eine Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und Identifikation.

Auch die engagierten Amateurfotografen verfügen i.d.R. über keine reguläre fotografische Ausbildung, sondern haben sich Technik und Praxis autodidaktisch oder beispielsweise in Kursen in Volkshochschulen angeeignet. Sie lesen regelmäßig die für den Fotoamateur konzipierten Publikumszeitschriften, während spezielle Branchenblätter den Profis vorbehalten sind und nicht in den Zeitschriftenhandel gelangen.

Der Begriff Knipser enthält dagegen häufig eine pejorative Konnotation als Dilettant und soll Fotografierende kennzeichnen, die ohne Kenntnise oder Interesse an Fototechnik oder Bildgestaltung typischerweise Schnappschüsse aufnehmen, eben ohne besonderen Anspruch "knipsen". Für diesen einfachen Fotoamateur ist Fotografieren nur eine Freizeitbeschäftigung unter (vielen) anderen, er hat keinen besonderen Erwartungen an seine Aufnahmen und identifiziert sich nicht durch das Fotografieren.

Knipser oder einfache Fotoamateure verfügen häufig weder über Fachkenntnisse, noch über die Bereitschaft, mit den Eigenschaften des Fotoapparats, der Fototechnik oder der Bildgestaltung zu beschäftigen. Sie wollen typischerweise einfach nur genau das Bild, das sie sehen, dauerhaft festhalten.

Knipser in der Fototheorie

Eine spezielle Bedeutung hat der so genannte Knipser in der Fototheorie von Vilém Flusser, der die Fotografie als Urtyp des technischen Bildes sieht. Flusser spricht der gegenständlichen Fotografie in seiner Analyse die Fähigkeit ab, neue und damit unwahrscheinliche Bilder zu schaffen; er sieht jedoch auch gleichzeitig das Potenzial der Fotografie, aus den Apparatezwängen auszubrechen.

Flusser unterscheidet dazu einerseits zwischen dem Knipser und dem Dokumentaristen und andererseits dem [echten] Fotografen bzw. dem Einbildner; der Fotograf "sucht nach Unwahrscheinlichem, nach Informationen", der Knipser dagegen "will sein Spiel mit der Kiste immer mehr dank immer perfekterer Automation simplifizieren. Der für ihn undurchsichtige Apparat berauscht ihn. Fotoamteurklubs sind Orte der Berauschung an apparatischer Komplexität, Orte für Trips, nachindustrielle Opiumhöhlen" (Was tun, um von der Kiste nicht aufgefressen zu werden?, 1983, veröffentlicht in Standpunkte, 1998).

Der Knipser huldige einer Massenkultur, einer "überall auf der Welt identischen Weltanschauung", der Fotoapparat bewirke eine "Fotomanie der ewigen Wiederholung gleicher oder sehr ähnlicher Bilder", eine "Sucht nach Redundanz" (a.a.O.).

Knipser und Dokumentaristen "stellen Apparategedächtnisse her, nicht Informationen, und je besser sie dies tun, desto besser belegen sie den Sieg der Apparate über den Menschen" (Für eine Philosophie der Fotografie, 1983).

Abzulesen sei dieser Fluß bewusstlos ausgelöster Bilder" am Schaffen des Knipsers: "Wer im Album eines Amateurfotografen blättert, ersieht darin nicht etwa festgehaltene Erlebnisse, Erkenntnisse und Werte irgendeines Menschen, sondern automatisch verwirklichte Apparatmöglichkeiten. Er ersieht, wo der Apparat überall war und wie dort der Knipser funktioniert hat".

Ein Knipser ist bei Flusser zwar typischerweise, aber nicht ausschließlich der Fotoamateur; der Dokumentarist, der gegenständliche Bilder fotografiert und versucht, die so genannte Wirklichkeit möglicht exakt abzubilden, fällt ebenfalls in diese Gruppe der Schöpfer redundanter Fotografien.

Der Einbilder zeichnet sich dagegen durch Ausbrechen aus den Apparatemöglichkeiten, durch Überlisten des Apparateprogramms und durch Herausholen von etwas Verborgenem aus. "Wirklich ist weder das Erkennende noch das zu Erkennende, sondern erst das Erkannte", denn: "Jede echte Fotografie ist das Resultat dieses Kampfes des Fotografen gegen das Kameraprogramm, aber auch das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen Kamera und Fotograf. Denn der Fotograf versucht zwar, mit der Kamera zu machen, was er will, aber tatsächlich kann er nur tun, wa die Kamera tun kann".

Die Herausforderung für den Fotografen bestehe darin, "dieser Flut der Redundanz informative Bilder entgegenzusetzen" (Für eine Philosophie der Fotografie, 1983). Flusser findet diese Leistung vor allem in der künstlerischen und in der experimentellen Fotografie, bei Fotografen also, die gegen den "Mediencharakter" des Fotoapparats anfotografieren und eben unwahrscheinliche, noch nicht gesehene Bilder schaffen.

Geschichte und Entwicklung

Siehe Amateurfotografie.

Siehe auch

Literatur

Weblinks



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