Belichtungsmessung

Belichtungsmessung ist in der Fotografie die zusammenfassende Bezeichnung für verschiedene Methoden zur Bestimmung der passenden Zeit-/Blendenkombination, mit der ein korrekt belichtetes Bild erzeugt werden kann.

Die Belichtung H ist das Produkt der Beleuchtungsstärke E (in lx) und der Belichtungszeit t (in s) ? H = E*t.

Inhaltsverzeichnis

Ziel

Jede Belichtungsmessung hat das Ziel, einen möglichst optimalen Kompromiss aus maximaler Ausreizung des verwendeten Materials und dessen maximalem Kontrastumfang, bei Fotopapier beispielsweise 32:1 bis 64:1, zu finden, d.h. den optimalen Zusammenhang zwischen der Leuchtdichte des Aufnahmeobjekts und der in der Bildebene wirksame Beleuchtungsstärke anzugeben.

Funktionsweise

Ältere automatische Belichtungsmessungen gehen dabei von Durchschnittswerten aus, die normalerweise mittelmäßig gut belichtete Aufnahmen liefern: Es wird von einem Motiv in landschaftlicher Umgebung mit blauem Himmel ausgegangen, das frontal bei 35 bis 55° Sonnenstand beleuchtet wird und 18% des einfallenden Lichtstroms in Richtung der Kamera reflektiert. Zur Simulation dieser Aufnahmesituation kann auch die so genannte Neutral-Graukarte verwendet werden.

Moderne computerunterstützte Belichtungsmessmethoden versuchen dagegen, anhand einer Motivdatenbank eine vergleichbare Lichtsituation zu bestimmen und können so sehr gute Ergebnisse liefern – wenn die passende Lichtsituation in der Datenbank enthalten ist und korrekt identifiziert wurde.

Grundsätzliches

Die Belichtungsmessung mit dem Belichtungsmesser in der traditionellen, nichtautomatisierten Fotografie an sich ist sinnvollerweise vom ähnlichen Begriff der Lichtmessung zu unterscheiden, die in dieser Systematik der Objektmessung gegenüber steht.

Begriff

Belichtungsmessung ist ein allgemeiner übergreifender Begriff, die Verfahren bei der Belichtungsmessung sind Licht- und Objektmessung. Belichtungsmesser arbeiten auf der Basis der Grau- oder Tonwerte, wie es in der Schwarz-Weiß-Fotografie heißt, nicht auf der von Farbtönen, die ebenfalls Grauwerte aufweisen. Gute Belichtungsmesser messen auch Blitzlicht.

Varianten

Zur Lichtmessung wird vom Objekt/ Motiv in Richtung Kamera das auf das Objekt fallende Licht gemessen. Dazu muss das Messgerät, der Belichtungsmesser, speziell ausgerüstet sein und über Kalotte oder Diffusor verfügen, die als weiße Halbkugel oder Jalousie über die Messzelle geschoben werden. Von dem auf das Motiv fallenden Licht lässt sich auf die Lichtreflexion in Richtung Kamera schließen. Dieses Messverfahren ist primär vom Licht abhängig, aber weniger vom Motiv.

Bei der Objektmessung wird (bei meist 30° Messwinkel eines normalen Belichtungsmessers) von der Kamera aus zum Objekt/Motiv hin dessen Lichtabstrahlung (Remission) ermittelt. Dabei kann ein Spotmesser mit 1-5° Messwinkel helfen oder allein genutzt werden; bei Spotmessungen, auch bei mehreren Lichtquellen (z. B. im Fotostudio), wird dann aus den einzelnen Messungen ein Mittelwert gewonnen. Dieses Verfahren ist primär vom Lichteinfall auf das Motiv und von dessen Lichtabstrahlung abhängig. Letztere muss zusätzlich analysiert und bewertet werden.

Neutralgrau und Graukarte

Die gemessene Einheit bei der Belichtungsmessung ist die Belichtungsstufe, die auf verschiedenen Normungen beruht; sie wird nicht absolut, sondern als Referenzwert zum sog. Mittleren Neutralgrau (Graukarte, s. u.) angegeben. Belichtungsstufen sind verschieden auszudrücken: eine Blendenstufe (Durchlassöffnung des Lichts durch das Objektiv) entspricht einer Zeitstufe des Kameraverschlusses oder einer Empfindlichkeitsstufe des Films.

Ein Belichtungsmesser sagt nicht, wie ein Bild richtig zu belichten ist, angegeben wird nur, wie ein Motiv bzw. ein Teil des Motivs zu belichten ist, um es auf dem Film in Mittlerem Neutralgrau erscheinen zu lassen. Und da der Wert auch nicht absolut benannt wird, sondern in Relation zum Referenzwert des Mittleren Neutralgraus (und zum eingestellten Filmtyp und zur Zeiteinstellung des Verschlusses), wird beispielsweise angegeben, welche Blende dafür einzustellen ist (oder welche Verschlusszeit).

Mittleres Neutralgrau zeigt eine Fläche dann, wenn sie eine Lichtabstrahlung von 18% ausweist; das ist der Mittelwert der Remission von ganz Weiß bis ganz Schwarz. Diese Remission von 18% ist als Durchschnitt einer normalen Landschaftsaufnahme zur allgemeinen Normung geworden. Auch alle Farben haben Grauwerte, was bei der Übersetzung eines Farbbildes in eines mit Grauwerten (Schwarz-Weiß-Fotografie) wirksam wird.

Als Hilfsmittel bei der Objektmessung gibt es die Graukarte von Kodak oder anderen, die im Objekt/ Motiv ersatzweise angemessen werden kann, wenn das Motiv selbst aus zu vielen unterschiedlichen Grauflächen besteht. Sie ist neutral-grau ohne Farbstich und gibt die Remission mit 18% wieder, strahlt also 18% des einfallenden Lichts zurück. Das gleiche macht sinngemäß die Kalotte oder der Diffusor für Lichtmessung bei Handbelichtungsmessern, die als weiße Halbkugel (oder Jalousie) über die Messzellen der Geräte geschoben werden; sie lassen nur 18% des Lichtes durch. Die Remission wird dabei also vom Belichtungsmesser intern berücksichtigt.

Praxis

Für die Praxis: misst der Belichtungsmesser bei der Objektmessung von der Kamera zum Objekt/ Motiv - zum Beispiel über einen Spotmesser mit nur 1 - 5° Seh-Winkel - den Belichtungswert einer weißen Fläche im Bild, dann gibt der erhaltene Wert jene Einstellungen der Kamera an, die nötig sind, um dieses Weiß des Objekts in Neutralgrau auf den Film zu bannen, und eben nicht als Weiß (Problem: Schneelandschaft).

Und genauso ist es bei Schwarz (Problem: Kohlenhalde). Erst beim durchschnittlichen Motiv, wie einer normalen Landschaft, kann der Mittelwert aller hellen und dunklen Bereiche wahrscheinlich als gültig und optimal angesehen werden; sonst muss der gemessene Wert, auch der Mittelwert, korrigiert werden.

Bei der Lichtmessung dagegen ist der ermittelte Wert geeignet, Weiß als Weiß und Schwarz als Schwarz abzulichten. Aber auch das gilt nur, wenn der Belichtungsumfang des Motivs nicht größer ist als der des Films und der Mittelwert auch die Mitte bezeichnet. Sonst muß auch in diesem Fall korrigiert werden, in welchen der beiden Grenzbereiche des Motivs der Films verschoben werden soll (sog. highkey- bzw. lowkey-Bilder).

Belichtungskorrektur

Die Belichtungskorrektur (besonders bei der Spotmessung von kleinen Teilen des Motivs) hängt vom benutzten Film und der Lichtsituation ab. Die normal belichtete Welt kann - in Anlehnung (!) an das Zonensystem von Ansel Adams - als in neun Belichtungsstufen einteilbar angesehen werden, die eine schwach sichtbare Zeichnung (!) noch im Film aufweisen, und dazu kommen die Stufen ganz Schwarz und ganz Weiß ohne Zeichnung. Zeichnung hat eine Fläche im Photo noch, wenn die Strukturen der Oberfläche noch (eben) sichtbar sind (bei einer Hauswand also z. B. noch die Struktur des Wandputzes, bei einem Kohlenhaufen noch die einzelnen Stücke).

Moderne Filme können in einer Aufnahme jedoch nur maximal (!) einen Belichtungsumfang von fünf Stufen bei Diafilmen und sieben Stufen bei Negativfilmen wiedergeben (im Buchdruck sind es drei). Mit dem gemessenen Referenzwert wird also nur ein Ausschnitt von vier bis fünf Stufen aus dem Motiv mit vielleicht neun Stufen abbildbar.

Ohne Korrektur werden die mittleren Belichtungsstufen mit Zeichnung im Bild wiedergegeben, die ganz hellen und die ganz dunklen Stellen werden zeichnungslos Weiß oder Schwarz. Soll aber der eher hellere oder dunklere Bereich des Motivs mit Zeichnung dargestellt werden, so ist der vom Belichtungsmesser erhaltene Wert zu korrigieren (lowkey/ highkey).

Um ein helles Weiß oder ein dunkles Schwarz noch mit Zeichnung auf dem Film zu zeigen, sind jeweils Korrekturwerte von bis zu zwei Belichtungsstufen nötig: für Weiß wird gegenüber dem Messwert die Blende weiter geöffnet, für Schwarz weiter geschlossen, damit aus dem sonst stattdessen abgebildetem Neutralgrau für Weiß oder Schwarz auf dem Film der richtige Tonwert entsteht.

Bild:Hennings-photo.de-zone.jpg

Die Skizze zeigt neun Grau-Zonen. Der Belichtungsmesser zeigt immer an, wie auf dem Film Mittleres Neutralgrau, das ist Zone V (fünf), erreicht wird. Mal ist es heller, mal dunkler, so dass ganz unterschiedliche Angaben beispielsweise für die nötige Blende gemacht werden, wie das unter der Skizze in zwei Beispielen gezeigt ist. Sind Belichtungsumfang vom Motiv und vom Film gleich (hier fünf Zonen), kann dennoch eine Korrektur nötig sein, wenn der Mittelwert für das Motiv nicht Zone V ist (hier Korrektur 1 Bl.). Wird ein helleres Hauptmotiv, wie ein Portrait, vor diesem Hintergrund fotografiert, ergibt sich mglw. eine andere Korrektur und der Hintergrund des Motivs wird besonders dunkel.

Eine Belichtungskorrektur bedarf auch die Verlängerung des Balgens der Fachkamera oder des Auszugs anderer Objektive (!) bei Nahaufnahmen, wenn nicht durch die Linse gemessen werden kann.

Korrekturfaktor

der Belichtung beim (Balgen-) Auszug = (Auszug/ Brennweite)²

Beim Objektiv 180 mm und einem Auszug von 360 mm insgesamt kommt dabei also raus: (360/ 180)² = 4. Das bezieht sich auf die Zeit; statt mit einer Belichtung von 1/60 s wäre also 1/15 s zu wählen (bei Dauerlicht!). Das sind zwei Blendenstufen, die weiter zu öffnen sind, oder es muß entsprechend mehr Licht vorhanden sein (Blitzlicht). Bei wegen des Schärfebereichs vorgegebener Blende ist dann entsprechend mehr Licht zu machen.

Varianten

Grundsätzlich werden zwei Formen der Belichtungsmessung unterschieden:

Als technische Lösungen für die Belichtungsmessung wird unterschieden zwischen

Ausstattung von Kameras

Moderne Kameras verfügen häufig über mehrere Varianten der Objektmessung, zwischen denen der Fotograf je nach Situation oder Vorlieben wählen kann. Die präziseste Belichtungsmessung ist dabei die Spotmessung, insbesondere wenn sie einen möglichst kleinen Bildwinkel ausmisst; ein höheres Maß an Kontrolle erhält der Fotograf nur mit einem externen Spotbelichtungsmesser.

Die modernste, aber auch am wenigsten berechenbare Variante ist die Mehrfeldmessung bzw. Matrixmessung, die mehrere Felder im Bildausschnitt misst und nach einem Satz komplexer Algorithmen gewichtet; die Ergebnisse können dabei sowohl sehr gut oder auch sehr schlecht ausfallen.

Eine Vorgänger-Variante ist die Integralmessung, die meist mittenbetont arbeitet; sie liefert bei komplizierten Lichtsituationen wie Seiten- oder Gegenlicht berechenbar schlechte, aber eben kalkulierbare Ergebnisse, die der Fotograf durch eine manuelle Belichtungskorrektur kompensieren kann.

Ältere Kameras verfügen über keine integrierte Belichtungsmessung; hier ist der Fotograf auf Erfahrungswerte, Schätzungen oder einen externen Belichtungsmesser angewiesen.

Es gibt prinzipbedingt keine Kameras mit integrierter Lichtmessung.

Siehe auch

Literatur

Weblinks


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