Farbe

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Sinneseindruck Farbe. Für weitere Bedeutungen des Begriffes Farbe, siehe auch Farbe (Begriffsklärung).


thumb|200px|Farbenfächer thumb|200px|Buntstifte Farbe ist ein Sinneseindruck, der entsteht, wenn Licht einer bestimmten Wellenlänge oder eines Wellenlängengemisches auf die Netzhaut des Auges fällt. Diese elektromagnetische Strahlung veranlasst dort spezielle Sinneszellen zu einer Nervenerregung, die zum Gehirn geleitet wird und dort auf bisher weitgehend ungeklärte Weise als Farbe ins Bewusstsein des Menschen tritt.

Farbe ist also eine Sinnesempfindung und keine physikalische Eigenschaft eines Gegenstandes. Der Begriff der Farbe gibt nur in Bezug auf einen lebenden Organismus mit Sinneszellen für Licht einen Sinn. Das Phänomen Farbe ist daher auch nicht auf der Oberfläche der Objekte selbst lokalisiert, sondern nur auf deren Abbild, das uns unser Gehirn in unserem Bewusstsein präsentiert, und damit in unserem Gehirn selbst.

Nach DIN 5033 ist Farbe diejenige Gesichtsempfindung eines dem Auge des Menschen strukturlos erscheinenden Teiles des Gesichtsfeldes, durch die sich dieser Teil bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge von einem gleichzeitig gesehenen, ebenfalls strukturlosen angrenzenden Bezirk allein unterscheiden kann.

Inhaltsverzeichnis

Farbeindruck des Menschen

Die optische Wahrnehmung des Menschen erfolgt durch bestimmte Rezeptoren, die sich auf der Netzhaut befinden. Von diesen Sinneszellen gibt es zwei Grundtypen: die so genannten Stäbchen unterscheiden nur Schwarz/Weiß-Kontraste, die so genannten Zapfen – nicht Zäpfchen! – dienen der Farbwahrnehmung.
(Zum Merken: Stäbchen - Schwarz/weiß; Zapfen - Farben)

Die Zapfen sind in drei Ausprägungen vorhanden, die jeweils ihr Empfindlichkeitsmaximum in den Spektralbereichen haben, die uns als die Grundfarben "Rot", "Grün" und "Blau" vorkommen. Der rotempfindliche Zapfen hat dabei eine Nebenempfindlichkeit im violetten Spektralbereich -- deshalb erscheinen uns rotes und violettes Licht auch ähnlich, obwohl sie rein physikalisch betrachtet an den entgegengesetzen Enden des sichtbaren Lichtspektrums liegen. Jede Kombination von Anregungen der drei Zapfenarten durch auf die Netzhaut treffende Strahlung bewirkt einen spezifischen Farbeindruck.

Für eine detaillierte Darstellung dieses Vorganges siehe den Artikel zur Farbwahrnehmung.

Menschen, die nur zwei Arten von Zapfen haben, sind rot-grün-blind oder (seltener) grün-blau-blind. Wenn Menschen nur eine Art von Zapfen haben, oder gar keine Zapfen (d.h. sie sehen nur mit den Stäbchen), sind sie farbenblind. Siehe auch Farbwahrnehmung.

Eine verbreitete Einteilung trennt die Helligkeit als Stärke des Farbeindruckes von der Sättigung als "Reinheit einer Farbe" und dem eigentlichen Farbton, der über die eigentliche Charakteristik der Farbe entscheidet.

Die eindimensionale Darstellung der Spektralfarben im Regenbogen zeigt nur einen Teil aller Farbwahrnehmungen. Die sichtbare Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung im Wellenlängenbereich von 380 bis 760 nm.

Psychologische Wirkung

Wird das Auge von Licht eines bestimmten Wellenlängenbereichs getroffen, so hat dies außer der einfachen Sinnesempfindung (wie "rot", "blau") noch weitere, komplexere und farbspezifische psychologische Wirkung. Diese haben bei Menschen desselben Kulturkreises große Gemeinsamkeiten, weisen aber auch individuelle Unterschiede auf. Solche Wirkungen der Farbwahrnehmung werden - intuitiv oder bewusst - zur Erzeugung bestimmter Effekte genutzt: sowohl für künstlerische Gestaltungen als auch in der Mode- und Werbebranche. Psychologische Farbtests versuchen, aus der überdurchschnittlich häufigen Wahl einer bestimmten Farbe oder Farbkombination auf bestimmte Eigenschaften der Persönlichkeit des betreffenden Menschen zu schließen. Im Alltagsleben machen viele Sprichwörter und Redewendungen Gebrauch von den psychologischen Farbwirkungen. Die Tabelle zeigt einige Beispiele für mögliche Wirkungen und Bedeutungen von Farben.


Farbe Assoziationen, Gefühle
Rot Blut - Feuer - Wärme - Liebe - Erotik - Sünde - Gefahr - Sozialismus, Kommunismus, Revolution - Leben - Freude - Scham - Zorn - Politik: Links - China: Glück
Grün Gras - Natur - Unreife - Gift - Ökologiebewegung - Hoffnung - Frieden - auf Fahnen: Islam - Esperanto (auch: auf Fahnen)
Blau Wasser - Himmel - Adel - Ferne - Sehnsucht - Treue - Beständigkeit - Mäßigkeit - Israeliten: Gott, Himmel, Glauben, Offenbarung
Gelb Zitrone - Frische - Fröhlichkeit - Liberalismus - Neid - Hass - Eifersucht
Goldgelb Sonne - Reichtum - Freude
Orange Orange - Erfrischung - Fröhlichkeit
Braun Lehm - Erde - Nationalsozialismus
Violett Frauenbewegung - Mystisch - Alter - Trauer - Entsagung - Würde - Katholiken: Buße
Weiß Unschuld - Reinheit - Medizin - Neutral - Katholiken/Israeliten: Heiligkeit - Trauer (Asien, besonders China)
Grau Maus - Farblosigkeit - Neutralität - unauffällig
Schwarz Asche - Tod - Konservatismus - Macht - Trauer - Bosheit - unerlaubter Handel/Arbeiten - Kirche: Orthodox, besonders Katholizismus - Anarchie - Leere - Weltraum


Es ist zweckmäßig, zwischen zwei Arten von psychologischer Wirkung der Wahrnehmung von Farben zu unterscheiden

Beide Arten der psychologischen Farbwirkung gehen in die Schöpfungen der Kultur(en) ein. Nach der "Empiristischen Theorie der Gefühlswirkung von Farben" werden die Farbgefühle individuell und implizit (unbewusst, nicht erinnerbar) gelernt: es sind vor allem diejenigen Gefühle, die der Mensch auf Grund seiner ererbten Triebstruktur und Daseinsthematik ursprünglich gegenüber bestimmten überall vorkommenden "Universalobjekten" bzw. "Universalsituationen" entwickelt. Da diese eine bestimmte Eigenfarbe besitzen, treten als Folge eines Lernprozesses nach einiger Zeit die gleichen Gefühle bereits bei alleiniger Wahrnehmung dieser Farbe auf (entsprechend der Ausbildung "bedingter Reflexe" bei den Pawlowschen Hunden). Als solche Universalobjekte finden sich der blaue Himmel, die grüne Vegetation, das rote Feuer (bzw.Blut), die gelbe Sonne, der braune Erdboden (und die braunen Fäkalien); und die Universalsituationen, in denen sich der Mensch täglich befindet, sind die dunkle (schwarze) Nacht und der helle (weiße) Tag.

Farbwahrnehmung von Tieren

Tiere haben unterschiedliche Farbwahrnehmungen.

Ein bekanntes Beispiel sind die Bienen, die auch ultraviolette Strahlung wahrnehmen können. Man vermutet, dass Fische in Korallenriffen oft viele Farben wahrnehmen können.

Geschichte der Farbenlehre

Es gibt Farbenlehren von Isaac Newton, Johann Wolfgang von Goethe, Johannes Itten, Harald Küppers, Hermann von Helmholtz und Ewald Hering.

Farbmodelle

Um Farben quantitativ (mit Hilfe von Zahlen) beschreiben zu können, wurden verschiedene Farbmodelle entwickelt. Je nach Anwendungsfall werden verschiedene Modelle benutzt, die eine leichtere oder genauere Farbauswahl ermöglichen. Häufig verwendete Farbmodelle sind:

Im Druckbereich und in der Technik wichtige Modelle sind:

Die Farbwerte der verschiedenen Modelle können mathematisch ineinander umgerechnet werden. Da die Farbmodelle aber einen unterschiedlichen Farbumfang besitzen, führt dies nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen. Um eine gute Näherung zu finden bedient man sich der Farbnachstellung.

Spektralfarben und Mischfarben

Farben, die durch die Zerlegung weißen Lichts entstehen, werden als Spektralfarben bezeichnet. Allerdings enthält das Spektrum nur einen kleinen Teil aller möglichen Farben -- nämlich nur die reinen Farben, und von diesen nicht diejenigen auf der so genannten "Purpurlinie" zwischen Violett und Rot. Alle anderen, die durch Farbmischung entstehen, bezeichnet man als Mischfarben. Bestimmte Mischfarben können dem menschlichen Auge durch Metamerie als identisch zu bestimmten Spektralfarben erscheinen. Die folgende Übersicht zeigt solche identisch erscheinenden Entsprechungen der Spektralfarben und einige reine Mischfarben -- echte Spektralfarben lassen sich auf Computermonitoren nicht erzeugen:


Farbe Wellenlänge
Rot ~ 625-740 nm
Orange ~ 590-625 nm
Gelb ~ 565-590 nm
Grün ~ 520-565 nm
Cyan  ~ 500-520 nm
Blau ~ 450-500 nm
Indigo ~ 430-450 nm
Violett ~ 380-430 nm
Magenta Mischfarbe
Braun Mischfarbe


Die Wellenlängen sind in Nanometern (nm) angegeben. Eine Liste von anderen Objekten ähnlicher Größe ist verfügbar.

Bunte und unbunte Farben

Die Frage, ob Schwarz und Weiß Farben sind, bietet erstaunlicherweise einigen Diskussionstoff. In der Alltagssprache spricht man zwar von den "Farben" Schwarz und Weiß, würde sie aber nicht als "farbig" bezeichnen. Auf der anderen Seite, erfüllen Schwarz und Weiß alle Kriterien für eine Farbe. Sie auszuschließen führte zu etlichen unsinnigen begrifflichen Verrenkungen.

Möchte man sich exakt ausdrücken, unterscheidet man besser zwischen bunten und unbunten Farben. Schwarz und Weiß einschließlich aller dazwischenliegenden Grauwerte bezeichnet man als unbunt. Alle anderen Farben werden als bunt bezeichnet.

Die Unterscheidung rührt aus der Farbwahrnehmung her, in der die deutlich lichtempfindlicheren Stäbchen nur Helligkeitsunterschiede erfassen, in die eine Farbigkeit von Spektralfarben aus der Wahrnehmung der Zäpfchen im Gehirn eingemischt wird. Daher rührt die Scheidung von Farbe in Farbton und Helligkeit. Die Farben Schwarz und Weiß sind hier Helligkeitsnuancen der Grautöne, und Grautöne können auch bei Lichtverhältnissen wahrgenommen werden, in denen die Farbzapfen nicht mehr reagieren. Denn die Farbzapfen brauchen eine bestimmte Lichtmenge, um zu funktionieren. Daher sind nachts "alle Katzen grau". Denn ohne genügend Licht kann das Auge die Farben nicht mehr wahrnehmen.

Verwandte Themen

Physikalische, chemische und biologische Aspekte:

Allgemeine Aspekte:

Literatur


siehe auch

Weblinks







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