Farbempfindlichkeit

Als Farbempfindlichkeit bezeichnet man die Eigenschaft fotografischer Aufnahmematerialien wie Platten oder Film, bestimmte Bereiche des sichtbaren Lichts tonwertrichtig wiederzugeben, für die das Material sensibilisiert ist.

Da das sichtbare Licht nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum der elektromagnetischen Strahlung darstellt, ist naheliegend, dass fotografische Materialien auch andere Bereiche dieses Spektrums aufzeichnen können. Insbesondere für die wissenschaftliche Fotografie werden Materialien mit über den sichtbaren Anteil des Lichts hinausgehender Sensibilisierung verwendet (Infrarotfilm, Röntgenfilm, Nachweis kosmischer Strahlung).

Inhaltsverzeichnis

Sensibilisierung von fotografischen Filmen

Farbempfindlichkeit fotografischer Materialien in Bezug auf die sichtbaren Bereiche des elektromagnetischen Wellenspektrums: none|700px|Orthochromatische und panchromatische Sensibilisierung von fotografischen Filmen

Geschichte und Entwicklung

Die fotografischen Platten aus der Frühzeit der Fotografie waren überwiegend für blaue Strahlen empfindlich, für grüne, gelbe und rote dagegen wenig oder gar nicht; dies liegt darin, dass Silberhalogenide ohne weitere Zusätze Licht nur im ultravioletten und blauen Spektralbereich absorbieren.

Daher wurden blaue und violette Kleider in frühen Fotografien oft weiß, gelbe und rote dagegen schwarz wiedergegeben. Die Fotografie nach farbigen Gegenständen (Gemälden) begegnete dadurch den allergrößten Schwierigkeiten. Leuchtende Wolken in Sonnenuntergangsbildern erschienen beispielsweise in der Fotografie schwarz, der dunkelblaue Himmel dagegen hell etc., und nur durch Retusche des Negativs konnte man diese Mängel verdecken.

Die Ursache dieser Empfindlichkeit photographischer Platten für Blau und Violett wurde darin erkannt, daß die Platten wesentlich nur das blaue und violette Licht verschluckten (absorbieren), und daß nur diese absorbieren Strahlen auf die Platte wirkten, die übrigen nicht.

Hermann William Vogel versuchte nun bereits 1873, dem Bromsilber Stoffe beizumischen, welche das grüne, gelbe und rote Licht absorbierten, um die photographische Platte dadurch auch für jene Strahlen empfindlich zu machen. Der Versuch war schließlich 1884 mit der Entdeckung von Eosin von Erfolg gekrönt und wurde die Basis zur Entwickelung der farbenempfindlichen – isochromatischen beziehungsweise orthochromatischen Verfahren.

Vogel benutzte als optische Sensibilisatoren, das heißt als Stoffe, welche das Bromsilber gelb-, resp. rotempfindlich machen, im Licht leicht verschiedende organische Farbstoffe wie Fuchsin, Cyanin, Eosin etc.; dadaurch gelang es ihm, die Silberhalogenide auch für langwelligeres grünes und rotes Licht su sensibilisieren.

Zuerst versuchte Ducos de Hauron dieses Prinzip praktisch anzuwenden. Die nachteilige Wirkung der Sensibilisatoren auf die fotografischen Chemikalien stellte aber der Praxis Hindernisse in den Weg, die hauptsächlich durch Einführung der Gelatinetrockenplatten durch Richard Leach Maddox um 1871 beseitigt wurden.

Attout Tailfer brachte 1883 mit Eosin gefärbte isochromatische Gelatineplatten in den Handel; 1884 entdeckte Vogel die optisch sensibilisierende Kraft des Jacobsenschen Chinolinrots und präparierte mit diesem unter Zusatz von Chinolinblau die farbenempfindlichen Azalinplatten.

Alle diese isochromen Platten bedurften aber zur Abschwächung des zu stark wirkenden blauen Lichts noch der Einschaltung einer Gelbscheibe bei der Aufnahme. Diese Mängel überwand Hermann Wilhelm Vogel durch Einführung des Eosinsilbers als optischen Sensibilisators. Durch seine und Obernetters Bemühungen entstanden die Eosinsilberplatten, welche sich von den herkömmlichen farbenempfindlichen Trockenplatten durch bedeutend größere Empfindlichkeit auszeichnen. Nur für Aufnahmen von Gemälden bedürfen dieselben noch zuweilen (bei leuchtend blauen Tönen) einer Gelbscheibe, bei Landschaften, Porträten etc. nicht.

Vogels orthochromatische Sensibilisierung wurde 1902 durch A. Miethe und A. Traube weiter verbessert; mit der so genannten panchromatischen Sensibilisierung wurde erstmals eine vollständige Tonwertrichtigkeit bei der Umsetzung von Farben in Graustufen erzielt.

Die panchromatische Sensibilisierung bildet die Grundlage für jede Farbfotografie.

Siehe auch

Weblinks



Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL

zurück zum Index