Fotomechanisches Druckverfahren

Als fotomechanische Druckverfahren bezeichnet man Verfahren zur Reproduktion von Fotografien.

Seit Erfindung der Fotografie hat man sich bemüht, sie in Verbindung mit den grafischen Künsten zu setzen, um auf solche Weise eine leichte und billige Vervielfältigung fotografischer Bilder zu ermöglichen.

Die erste Methode der Art ist die Heliographie von Nicéphore Niepce, bei welcher eine Lösung von Asphalt in Lavendelöl auf eine Stahlplatte ausgebreitet und getrocknet, dann mit einem positiven Bild bedeckt wird. Das Licht scheint durch alle hellen Stellen des Bildes hindurch und macht die darunter befindliche Asphaltschicht unlöslich, die durch die schwarzen Striche vor der Wirkung des Lichts geschützten Asphaltteile bleiben aber löslich.

Behandelt man demnach die Platte nach der Belichtung mit einem Lösungsmittel, z. B. Lavendelöl, so löst dieses nur die Teile auf, die sich unter den Strichen der Zeichnung befanden; an diesen Stellen wird die Platte freigelegt, an den übrigen bleibt sie bedeckt und ähnelt so einer Zeichnung, die durch Radieren in dem Asphaltüberzug hergestellt ist. Übergießt man solche Platten mit einer Säure, so ätzt diese das Metall an den bloßgelegten Stellen an, und so entsteht eine vertiefte Zeichnung im Metall (Tiefätzung), die auf das vollkommenste einem Kupfer- oder Stahlstich gleicht und, wie dieser, abgedruckt werden kann.

Dieses Verfahren eignet sich nur für Reproduktion von Zeichnungen in Strichmanier. Die homogenen Halbtöne gewöhnlicher Fotografien werden dadurch nur mangelhaft wiedergegeben.

Wendet man statt des positiven Bildes ein negatives Glasbild als Original an, so werden die unter den im Negativ durchsichtigen Strichen liegenden Partien unlöslich, und beim Ätzen solcher Platten bleiben die Striche der Zeichnung erhaben stehen und stellen so einen Block für die Buchdruckpresse dar (Hochätzung).

Das Verfahren verlangt aber ein viel tieferes Ätzen als das oben genannte fotografische Kupferdruckverfahren. Der Asphaltprozeß auf Kupfer und Zink ist bis Ende des 19. Jahrhunderts angewendet worden; auf Zink wurden hauptsächlich Hochdruckblöcke für die Buchdruckpresse gefertigt.

Führt man das Asphaltverfahren auf lithographische Stein aus, so erhält man einen in lithographische Manier abdruckbaren Stein, indem die im Licht unlöslich gewordenen Asphaltteile die Fähigkeit haben, die fette Schwärze anzusehen und festzuhalten und beim Druck wieder abzugeben (photolithographisches Verfahren von Lemercier, Bareswil und Davanne).

Andere Methoden basieren auf der Anwendung von chromsaurem Kali und Leim. Bedeckt man die Chromleimschicht mit einem positiven Bild, so werden die unter den durchsichtigen Partien liegenden Stellen unlöslich, die übrigen nicht. Ist die Schicht auf Stahl oder Kupfer ausgebreitet, und behandelt man sie nach der Belichtung mit heißem Wasser, so wird das Metall an allen nicht vom Licht getroffenen Stellen freigelegt und kann alsdann durch eine Ätzflüssigkeit vertieft werden. So erhält man eine Platte für den fotografischen Stahldruck oder Kupferdruck.

Führt man die Beachtung aber unter einem negativen Bild aus, so erhält man durch Ätzung einen Hochdruck für die Buchdruckpresse. Auch hier hat die Erzeugung von Halbtönen Schwierigkeiten. Diese überwand man dadurch, daß man die Halbtöne des fotografischen Bildes durch ein Netz brach, d. h. in lauter einzelne Punkte auflöste (Raster).

Solches erreichte Meisenbach, indem er ein feines, auf einer Glasplatte befindliches Liniennetz auf die zu reproduzierende Fotografie legte und danach ein Negativ aufnahm; in diesem zeigten sich alle Halbtöne durch das Netz zerteilt und reproduzierten sich in gleicher Weise beim Kopieren auf asphaltiertem oder leimchromiertem Zink. Die Ätzflüssigkeit wirkt durch die Unterbrechungsstellen der Halbtöne, und diese stellen ich beim Abdruck durch mehr oder weniger dicht stehende Punkte dar. So entstanden die so genannten Autotypien, die beispielsweise im Buchillustrationswesen massenhaft Verwendung fanden.

Aber auch für den Kupferdruck lernte man Halbtöne reproduzieren. Man stäubte eine Kupferplatte mit seinem Asphaltpulver ein, schmolz dieses durch Erhitzen an und übertrug darauf ein nach einem photographischen Positiv kopiertes negatives Pigmentbild, in welchem die Lichter hohe, die Schatten tiefe Lagen bilden. Durch solches Bild ließ man eine Ätze von Eisenchlorid wirken, welche um so tiefer in die Kupferplatte einfraß, je weniger hoch die schützende Pigmentlage war. Die durch Asphaltpulver geschützten Stellen blieben dabei als einzelne Punkte stehen und bildeten ein Korn, welches in den Schattenstellen dichter, in den Lichtstellen weniger dicht war.

Dieses Korn ermöglichte ähnlich wie in der Schwarzkunst den Abdruck der Halbtöne. Das Verfahren rührt von Klic in Wien her und wird jetzt in umfangreicher Weise von den Ölbildreproduktions-Ateliers Deutschlands zur Herstellung der so genannten Photogravüren verwendet.

Eine andre Art der Photogravüre beruht auf Anwendung der Galvanoplastik oder der Photogalvanographie. Bei dieser wird ein nach einer linearen Zeichnung gefertigtes Pigmentbild, welches ein Relief bildet, auf Kupfer übertragen und dann galvanisch abgeklatscht. So erhält man eine vertiefte Kupferplatte, die sich zum Kupferdruck eignet.

Halbtonbilder lassen sich jedoch in dieser Weise nur reproduzieren, wenn man den Halbton körnt. Dieses geschieht durch Zusatz sein gepulverten Glases zur Pigmentschicht. In dieser Weise fertigt Goupil in Paris seine Photogravüren.

Führt man den Chromgelatineprozeß auf Stein aus, so erhalten die durch das Licht unlöslich gewordenen Teile die Fähigkeit, fette Schwärze anzusehen und beim Druck wieder abzugeben; so entsteht eine Photolithographie, die wegen leichterer Ausführbarkeit größere Beachtung fand als der photographische Stahldruckprozeß.

Osborne und Asser führten dieses Verfahren auf Papier aus und erhielten ein Bild, das eingeschwärzt zum so genannten Übertragsprozeß verwendbar war, d. h. sich auf einen lithographischen Stein abdrucken ließ und diesen dadurch druckfähig machte.

In ganz analoger Weise wie auf Stein läßt sich das Verfahren auch auf Zink ausführen und liefert dann eine so genannten Photozinkographie. Photolithographie und Photozinkographie spielen bei der Reproduktion geographische Karten eine große Rolle. Für Wiedergabe von Bildern in Halbtönen sind sie weniger geeignet.

In dieser Hinsicht werden sie weit von dem so genannten Lichtdruckverfahren in den Schatten gestellt, welches zuerst von Tessié de Mothay ausgeübt, von Albert in München (daher auch Albertotypie) erheblich verbessert und dadurch erst lebensfähig wurde. In diesem Prozeß dient die Gelatineschicht selbst als Druckfläche. Man trägt eine Mischung derselben mit chromsaurem Kali auf Glas, belichtet unter einem negativen Bild und wäscht mit Wasser. Dieses entfernt nur das Chromsalz, läßt aber die Gelatineschicht intakt. Die vom Licht nicht getroffenen Stellen nehmen leicht Wasser an, die übrigen nicht; dagegen nehmen die vom Licht veränderten leicht fette Schwärze an, welche auf den anderen Stellen nicht haftet.

Walzt man demnach die Platte mit fetter Schwärze in lithographische Manier ein und druckt sie dann auf Papier, so gibt sie ein Bild in fetter Schwärze mit allen Halbtönen. Das Einschwärzen und Abdrucken läßt sich beliebig oft wiederholen, obgleich die leicht verletzbare Gelatineschicht nicht so viele Abdrücke aushält wie der lithographische Stein.

Das Verfahren ist durch die Bemühungen Alberts, Obernetters u. a. zu einem hohen Grade der Vollkommenheit ausgebildet worden und liefert Bilder, die von Fotografien kaum unterschieden werden können, mit allen Halbtönen, die in den gewöhnlichen heliographischen Prozessen so leicht verloren gehen.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Schnellpresse. Im Lichtdruck ist das Problem, fotografische Halbtöne durch Pressendruck herzustellen, in der einfachsten und vollkommensten Weise gelöst. Nur hat er den Übelstand, daß die Lichtdruckplatten sich nicht aufbewahren lassen.

Man hat Halbtondrucke aber auch auf andre Weise angefertigt. Jedes Pigmentbild erscheint reliefartig. Die Schwärzen sind hoch und die Lichter tief. Beim Trocknen schwindet freilich das Relief zusammen. Durch langes Kopieren unter gewissen Vorsichtsmaßregeln ist man aber im stande, ein so hohes Relief zu erhalten, daß es in Blei abgeklatscht werden kann.

Solches geschieht mit Hilfe einer hydraulischen Presse, und man erhält dadurch eine Bleiform, die, mit halbdurchsichtiger Gelatinefarbe übergossen und auf Papier abgedruckt, ein Bild liefert, welches die tiefste Schwarze durch eine hohe, also dunklere, die Halbtöne durch eine weniger hohe, also hellere, Farbenlage wiedergibt (Woodburys Reliefdruckprozeß). Dies Verfahren wird seit Einführung des Lichtdrucks wenig mehr ausgeübt.

Der so genannte fotografische Glasdruck ist nichts weiter als ein modifizierter Lichtdruck. Zu demselben dient ein fotografische Negativ, welches auf der Bildseite mit Chromgelatine präpariert und dann rückseitig belichtet wird. Die durchsichtigen Stellen werden dadurch fähig, fette Schwärze anzunehmen, welche sie beim Abdrucken wieder abgeben.

Die Fotoskulptur, wobei mit Hilfe eines Pantographen (Storchschnabels) die Umrisse einer Figur auf einen Tonblock übertragen werden, um dem Bildhauer als Hilfskontur zu dienen, kann nicht als ein fotografisches Verfahren gelten, wenn auch die Fotografie des zu modellierenden Gegenstandes dabei als Vorlage benutzt wird. Das Wesentliche an den so genannten Fotoskulpturen ist Bildhauerarbeit.

Literatur



Vorlage:Meyers


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