Geschichte und Entwicklung der Fotografie

Die Geschichte und Entwicklung der Fotografie ist unter dem technischen Aspekt gekennzeichnet durch die (Wieder-) Entdeckung des Prinzips der Camera obscura und der Laterna magica, die Erfindung der Camera lucida, des Physionotrace sowie des Panoramas und des Dioramas.

Gesellschaftliche spielt die Prämierung der Naturwissenschaft ab der frühen Neuzeit sowie das Erstarken des Bürgertums im 18. Jahrhundert eine entscheidende Rolle; dies führt zu einem Repräsentationsbedürfnis, das sich in der Zunahme der Porträtmalerei sowie den preiswerteren Formen des Scherenschnitts und der Silhouette ausdrückt.

In der bildenden Kunst ist das ausgehende 18. und das frühe 19. Jahrhundert in Europa gekennzeichnet durch die Stilrichtungen des Klassizismus und der Romantik; ab Mitte des 19. Jahrhunderts antwortet die Malerei auf die das Versprechen der "Wirklichkeitsabbildung" der Fotografie mit dem Realismus.

Inhaltsverzeichnis

19. Jahrhundert

Übersicht: Die frühen Verfahren und erste Fotografien

Die Anfangsjahre der Fotografie sind – wie die Entstehungszeiten anderer Technologien auch – gekennzeichnet durch

Die Entwicklung der Fotografie zu Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgt in den Schritten:

Ausgangssituation

Um 1800 sind eine Reihe von grundlegenden Erfindungen und Entdeckungen bekannt, welche die Entstehung fotografischer Verfahren ermöglichen:

Um 1800 kann man also ein Bild projizieren, skalieren und kurzzeitig speichern, jedoch noch nicht dauerhaft fixieren. Die Bildreproduktion erfordert noch das manuelle Geschick eines Spezialisten, wird jedoch bereits durch Naturselbstdruck und Physionotrace bereits partiell mechanisiert.

Durch den Buchdruck mit beweglichen Lettern ist klar, dass das mechanische Zerlegen von Schrift in diskrete Einheiten massive Rationalisierungsvorteile bewirkt; ein vollwertiges Äquivalent für die Bildreproduktion existiert jedoch nicht.

Die Forscher des frühen 19. Jahrhunderts beschäftigen sich jedoch noch nicht mit dem Rekombinieren diskreter Bildeinheiten, sondern versuchen zunächst, das Problem des Fixierens des latenten fotografischen Bildes zu lösen.

Das Zerlegen des Bildes in diskrete Einheiten und deren Rekombination wird erst rund ein Jahrhundert später thematisiert im Rahmen der Entwicklung der Bildtelegrafie, der Kinematographie, des Fersehens und noch einige Jahrzehnte später mit dem Beginn der Digitalisierung.

Frühe Experimente

Die ersten nachweisbaren Experimente zum Fixieren des fotografischen Bildes stammen aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts von Claude Niepce und Joseph Nicéphore Niepce (um 1798) und Thomas Wedgwood (1799).

1813 entwickelt Joseph Nicéphore Niépce die Heliographie, ein Positiv-Verfahren; 1822 gelingt ihm erstmals das Anfertigen einer lichtbeständigen Kopie auf einer Glasplatte, 1824 auf einer beschichteten Zinkplatte. Das älteste erhaltene Bild dieser Art stammt aus den Jahren zwischen 1826 und 1827; es erforderte eine Belichtungszeit von acht Stunden.

Mit der 1825 entdeckten Prismenlinse wurde es möglich, das seitenverkehrte Bild der Camera obscura bereits in der Kamera umzukehren.

Erste praxistaugliche Verfahren

thumb|Beispiel für eine Daguerrotypie: Porträt einer unbekannten Amerikanerin, ca. 1850

1829 schließt sich Niepce, wohl aus Geldmangel, mit Louis Jaques Mande Daguerre zusammen, um die Erfindung weiterzuentwickeln; Niepce stirbt vier Jahr später und Daguerre entdeckt 1837 die Kochsalzlösung zum Fixieren. Er verbessert das Verfahren noch bis 1839 weiter und stellt es schließlich der Öffentlichkeit als Daguerreotypie vor. Niepces und Daguerres Verfahren erfordern noch mehrstündige Belichtungszeiten und produzieren ein Unikat.

Seit 1834 arbeitet auch William Henry Fox Talbot an einem fotografischen Versuchen mit lichtempfindlichem Papier; er bezeichnet das Verfahren als photogenische Zeichnung. 1840 stellt er das erste Negativ-Verfahren vor, das er als Kalotypie (auch Talbotypie genannt) bezeichnet. Auch Talbots Verfahren benötigt noch lange Belichtungszeiten, sein Papiernegativ lässt sich jedoch beliebig oft reproduzieren.

Aus jenem fiktiven Erfindungsjahr der Fotografie 1839 sind diverse weitere konkurrierende fotografische Verfahren bekannt; so hatte beispielsweise auch Hippolyte Bayard wohl ebenfalls ein Direktpositiv-Verfahren entwickelt, Friedrich Gerber behauptet, er könne bereits seit längerem Bilder der Camera obscura fixieren usw.

Die Ausgangssituation der technischen Entdeckungen um 1839 hatte also anscheinend eine Art technologischen Druck erzeugt, der die Entwicklung praxistauglicher Verfahren geradezu erzwingen musste.

Verbesserung der Verfahren

Nach 1839 arbeiten zahllose Forscher an der Verbesserung des fotografischen Verfahrens. Es werden weitere lichtempfindliche Silbersalze entdeckt, die Linsen für die Camera obscura werden verbessert, erste lichtstarke Objektive werden gebaut und vor allem die Belichtungszeiten verkürzt.

Zu den Verbesserungen der Verfahren zählen die Verwendung von

Die Belichtungszeiten konnten bereits beim Albuminverfahren auf 20 Minuten reduziert werden, was erstmals die Abbildung von lebenden Objekten ermöglichte (Visitenkartenporträts, insbesondere von Andre Adolphe Eugene Disdéri ab 1854). Die Kollodium-Nassplatte verkürzte die Belichtungszeit weiter auf wenige Sekunden.

Diese Verfahren hatten jedoch selbstverständlich auch noch eine Reihe von Nachteilen:

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden auch diese Probleme sukzessive gelöst:

Durch die Trockenverfahren und die Verkleinerung der Kameras wird die Fotografie mobil; außerdem wird eine industrielle Fertigung des fotografischen Aufnahmematerials möglich, da nun die Fotoplatten auch gelagert werden können.

Um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert sind die Voraussetzungen geschaffen für die panchromatische Tonwertwiedergabe und die Farbfotografie (der Begriff der panchromatischen Sensibilisierung bezieht sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ausschließlich auf schwarzweiße Halbtonvorlagen).

Spezielle Aufnahmevorrichtungen ermöglichen Reihenaufnahmen und Bildfolgen (Chronofotografie), entweder mit einer Vielzahl von Kameras oder durch mehrere Belichtungen auf einer Platte; dies schafft die ersten Voraussetzungen für die Kinematographie und spezielle wissenschaftliche Verwendungen der Fotografie.

Frühe fotografische Anwendungen

Die frühsten erhaltenen Fotografien von Niepce, Daguerre, Talbot und Bayard zeigen Stilleben, Straßen- und Alltagsszenen und Ansätze zur Landschaftsfotografie; diese dürften daher wohl auch als älteste fotografische Genres gelten, die jedoch noch sehr gering ausdifferenziert waren. Lebende und sich bewegende Motive konnten in der Frühzeit der Fotografie aufgrund mehrstündiger Belichtungszeiten noch nicht aufgenommen werden.

Porträtfotografie

Die wohl erste kommerzielle Anwendung der Fotografie sind Porträts, die Andre Adolphe Eugene Disdéri ab 1854 erstellte (Visitenkartenporträts, carte-de-visite); in der Folgezeit entstehen zahlreiche Porträtstudios, die besonders vom mittelständischen Bürgertum frequentiert werden. Es setzt eine Verdrängung des Gewerbes der Poträtmaler ein.

Die Porträtfotografie hatte auch unabhängig von dem Sonderfall der Visitenkartenporträts eine große Bedeutung für die Fotografie der Frühzeit; das Hauptprogram der langen Belichtungszeiten wurde durch spezielle Fixier- und Haltevorrichtungen wie Saronnys Universal-Kopfhalter und ein Übermaß an Geduld beim Porträtierten gelöst. Zu den Pionieren dieses Genres zählen beispielsweise Franz Hanfstaengl, Nadar, Courbet und Etienne Carjat.

Aktfotografie und erotische Fotografie

Ab etwa 1847 wurde auch der Akt und die erotische Fotografie entdeckt, welche insbesondere durch die Stereofotografie starke Verbreitung fanden und beispielsweise als Stereodaguerreotypien verbreitet wurden.

Eugène Delacroix ließ von E. Durieu um 1850 Aktstudien anfertigen, nach denen er später Gemälde anfertigte.

Reise- und Reportagefotografie

Aus der Frühzeit der Fotografie sind auch einige wenige Reisereportagen und bildliche Kriegsberichterstattungen bekannt; so hielt der Engländer Roger Fenton seine Reiseeindrücke aus Kiew, St. Petersburg und Moskau 1852 in den ersten Reisefotografien fest. 1855 fertigte Fenton im Krim-Krieg auch die erste Kriegs-Bildreportage mit 360 Aufnahmen an.

Mathew Brady fertigte mit seinem Kamerateam, zu dem u.a. A. Gardner, T. H. O’Sullivan und G. N. Barnard gehörten, in den amerikanischen Sezessionskriegen 7.000 Naßplatten-Negative an, von denen über tausend digitalisiert wurden und über die Website der Library of Congress abrufbar sind ([1] (http://lcweb.loc.gov/rr/print/)).

Bisson fotografierte 1860 auf einer Besteigung des Mont Blanc.

Die Fotografien dieser Zeit erschienen jedoch noch nicht in Zeitungen, da die dafür erforderlichen Reproduktionsverfahren noch nicht verfügbar waren. Frühe Reisereportagen fertige beispielsweise auch Maxime Du Camp 1850 auf einer Expedition nach Ägypten an.

Aktuelle Bildberichterstattung

Die wohl erste fototgrafisch umgesetzte aktuelle Bildbericherstattung fertigten H. Biow und C. F: Stelzner 1842 vom großen Brand von Hamburg n.

Die aktuelle Bildberichterstattung und Pressefotografie entwickelt sich ab etwa 1880, als die ersten Fotos als Illustrationen in Zeitungen erschienen: Stephen H. Horgan veröffentlicht im New Yorker Daily Graphic ein gerastertes Halbtonfoto. 1883 erscheint das erste Foto in einer deutschen Zeitungen: Georg Meisenbach veröffentlicht in der Leipziger Illustrierten Zeitung eine gerasterte Fotografie.

Chronofotografie

Eine weiterer früher Anwendungsbereich war die Chronofotografie, also Reihenaufnahmen und Bildfolgen, die gezielt die Grenzen des menschlichen Wahrnehmungsapparates sprengte. Als Pionier auf diesem Gebiet gilt Eadweard Muybrigde (eigentlich Edward Muggeridge), der 1877 die ersten Reihenaufnahmen von beweglichen Motiven mit bis zu 30 Kameras anfertigte. Die Ergebnisse seiner Arbeiten veröffentlichte er in den 1887 erschienen Bildbänden Animal Locomation und The Human Figure in Motion, die annähernd 800 Lichtbilder enthalten.

Verbesserungen dieses Verfahrens führte der Franzose Étienne-Jules Marey ein, der 1883 das fotografische Gewehr konstruierte, mit dem er eine ganze Serie von Belichtungen auf einer Platte festhalten konnte; dies ermöglichte es, die Stadien eines Bewegungsablaufes innerhalb eines einzigen Bildes durch eine Art Mehrfachbelichtung darzustellen. Dieses Zerhacken eines Bewegungsablaufes in diskrete Phasen nimmt sehr konkret die späteren kinematographischen Bildzerlegungen vorweg.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte der deutsche Ottomar Anschütz, der 1888 eine Kamera mit Schlitzverschluss für extrem kurze Belichtungszeiten konstruierte; ihm gelangen Momentaufnahmen fliegender Störche, laufender Pferde und anderer Tiere in Bewegung (Baatz 1997: 64).

Amateurfotografie

Die Zeit der Amateurfotografie setzt um 1870 mit der Entwicklung von leicht beweglichen und/oder tragbaren Handkameras und der damit einhergehenden Vereinfachung des fotografischen Verfahrens ein; recht bekannt ist beispielsweise die Kodak Nr. 1 von George Eastmans Eastman Company aus dem Jahr 1888, die jedoch keineswegs – wie die Kodak-Historiografie immer wieder behauptet – die Amateurfotografie begründete. Knipser beginnen, mit der Kamera ihr Privatleben und ihr Umfeld zu dokumentieren. Diese Aufnahmen haben einen unschätzbaren soziologischen und historiographischen Wert.

Dokumentarfotografie

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginn auch die Entwicklung der Dokumentarfotografie; so begann beispielsweise Edward S. Curtis 1896 sein zwanzigbändiges fotografisches Werk über die Indianerstämme Nordamerikas, bei dem bis 1930 40.000 Negative entstehen.

Industrialisierung

Die Industrialisierung der Fotografie setzt zumindest ein Minimum an Standardisierung voraus; diese Entwicklung beginnt um 1888 mit der ersten in größerem Maßstab industriell gefertigten Rollfilmkamera, der Kodak Nr. 1'. Der Apparat war klein, leicht, mit einem Verkaufspreis von 25 Dollar jedoch vergleichsweise teuer; fotografiert wird zunächst auf dem papierbasierten Stripping Film und später auf dem zelluloidbasierten American Film mit jeweils hundert runden Bildern.

Die ersten Handkameras waren nicht nur handlicher und preiswerter als die zuvor eingesetzten klobigen Klapp-, Falt- und Balgenkameras, sondern setzten auch eine Verarbeitungskette voraus. Neben der Durchsetzung des Rollfilms am Markt ist der Entwicklungsdienst die wohl wichtigste Erfindung, die Eastman in die Fotografie einbrachte.

Getreu dem Motto "You press the button, we do the rest" musste der Fotograf bei diesem Konzept nichts weiter tun als Motive zu suchen, auf den Auslöser zu drücken und später dann die fertigen Papierbilder zu betrachten: Eastman bot in den USA einen Entwicklungsdienst für 10 Dollar, bei dem man die Kamera samt abgeknipsten Film einschickte; nach Verarbeitung im Labor erhielt man nach etwa einem Monat dann die Kamera mit entwickelten Papierabzügen zurück, in die Kamera war dann bereits vom Labor ein neuer Film eingelegt worden. Die Papierbilder wurden nicht vergrössert, sondern entsprachen in ihren Abmessungen der Negativgröße. Lokale Fotohändler lieferten in Europa einen vergleichbaren oder sogar besseren Service, bei dem die Verarbeitung auch deutlich schneller und teilweise auch preiswerter erfolgte; in Deutschland konnte man um 1880 für den Preis der Kodak Nr. 1 (120 Mark) eine Plattenkamera wie Dr. R. Krügener's Taschenbuchkamera von der Firma Haake & Albers in Frankfurt am Main (60 Mark) und ein einfach ausgestattetes, aber komplettes heimisches Fotolabor (ebenfalls etwa 60 Mark) erwerben. 100 Trockenplatten kosteten etwa 5 Mark.

Die Kodak Nr. 1 war also keineswegs die erste Handkamera; bereits 1881 wurde beispielsweise die so genannte Detektivkamara von Thomas Bolas konstruiert und zum Patent angemeldet.

Massenmarkt

Eastman beginnt mit der Kodak Nr. 1 und dem vereinfachten Verarbeitungsfahren, vor allem jedoch durch eine aggressive Vermarktung, der Fotografie einen Massenmarkt zu erschließen. Sein Entwicklungsdienst ist der erste Schritt, die Fotografie für jedermann zu erschließen. Die Meilensteine in diesem Prozess sind:

20. Jahrhundert

Allgemeine Fototechnik

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist eine durchgreifende Verbesserung der Fototechnik zu beobachten, die alle Bereiche des Kamera- und Objektivbaus, der Blitztechnik und der fotografischen Emulsionen umfasst.

Filmempfindlichkeit

Die ersten fotografischen Emulsionen wiesen eine noch recht geringe Lichtempfindlichkeit auf; die Heliographie auf Asphalt aus dem Jahr 1827 erforderte eine Belichtungszeit von sechs bis acht Stunden. Die Daguerreotypie aus dem Jahr 1839 kam unter günstigen Bedingungen schon mit 30 Minuten aus, für die Talbotypie reichten 1841 schon drei Minuten.

Mit dem nassen Kollodiumverfahren aus 1850er Jahren wurden bereits Belichtungszeiten von nur zehn Sekunden erreicht; Silberbromid-Kollodium wurde 15 Sekunden lang belichtet und mit der Gelatine-Trockenplatte von 1871 etwa um den Faktor 100 verbessert; der Trockenplattenprozess erreiche eine Epfindlichkeit von etwa 5 ASA; 1878 konnte man mit dem Silberbromid-Gelatineverfahren erstmals Belichtungszeiten zwischen einer und 1/200 Sekunde erreichen.

Die Lichtempfindlichkeit wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts als Lichtempfindlichkeit standardisiert, die erste Meßgröße waren die Scheinergrade; danach wurden noch verschiedene weitere Verfahren von General Electric (GE), Weston und GOST entwickelt, heute sind jeodoch nur noch Angaben ASA und DIN sowie seit 1979 ISO gebräuchlich.

Die schwarzweißen Rollfilme der 20er Jahre hatten – umgerechnet aus den alten Scheinergraden – eine Empfindlichkeit von etwa ISO 16/13°. Eine Verbesserung brache der Agfa Isochrom, der 1932 ISO 32/16° und 1934 ISO 50/18° erreichte. Noch empfindlicher waren der Kodak Panatomic von 1939 mit ISO 64/19° sowie der Voigtländer Bessapan mit ISO 100/21° sowie schließlich der Gevaert Gevapan von 1952 mit ISO 16/23°.

Die ersten Farbfilme wie der Agfacolor-Farbfilm von 1936 wiesen eine Empfindlichkeit von 5° DIN (2,5 ASA) auf; der Kodachrome aus demselben Jahr hatte bereits 10 ASA und war damit – für einen Farbfilm damaliger Verhältnisse – hochempfindlich. Das Kodacolor-Verfahren von 1942 wies mit 20 ASA eine sensationelle Empfindlichkeit auf. In den 50er Jahren hatte das typische schwarzweiße Aufnahmematerial für Boxkameras eine Empfindlichkeit von 17° DIN (also weniger als 50 ASA).

Den ersten hoch- beziehungsweise nach damaligen Maßstäben höchstempfindlichen Film stellte 1967 Anso mit dem Ansochrome-Diafilm und einer Filmempfindlichkeit von 500 ASA vor. Weitere hochempfindliche Farbnegativfilme mit ISO 400/27° erschienen 1977 am Markt (Fujicolor II 400, Kodacolor 400); entsprechendes Umkehrmaterial folgte ein Jahr später mit dem Ektachrome 400.

1982 führt Kodak die T-Grain-Technologie auf Basis von Silberhalogenkristallen ein und bringt mit dem Kodacolor VR-1000 den ersten höchstempfindlichen Film nach heutigen Maßtäben auf den Markt. Ende der 80er Jahre erscheinen Diafilme von Agfa mit 1000 ASA, 1993 konfektioniert Fuji den ersten Farbnegativfilm mit ISO 800/20° (Fujicolor Super G.

Seit 1983 sind Filme DX-codiert, das heißt auf der Filmpatrone befindet sich ein automatisch auslesbarer Code, der neben anderen Angaben auch die Nennempfindlichkeit des Films enthält.

Farbempfindlichkeit

thumb|Farbempfindlichkeit fotografischer Materialien in Bezug auf die sichtbaren Bereiche des elektromagnetischen Wellenspektrums: Orthochromatische, panchromatische und infrarotempfindliche Sensibilisierung von fotografischen Filmen Die fotografischen Platten aus der Frühzeit der Fotografie, also nach 1839, waren überwiegend für blaue Strahlen empfindlich, für grüne, gelbe und rote dagegen wenig oder gar nicht; dies liegt darin, dass Silberhalogenide ohne weitere Zusätze Licht nur im ultravioletten und blauen Spektralbereich absorbieren.

Daher wurden blaue und violette Kleider in frühen Fotografien oft weiß, gelbe und rote dagegen schwarz wiedergegeben. Die Fotografie nach farbigen Gegenständen (Gemälden) begegnete dadurch den allergrößten Schwierigkeiten. Leuchtende Wolken in Sonnenuntergangsbildern erschienen beispielsweise in der Fotografie schwarz, der dunkelblaue Himmel dagegen hell etc., und nur durch Retusche des Negativs konnte man diese Mängel verdecken.

Die Ursache dieser Empfindlichkeit photographischer Platten für Blau und Violett wurde darin erkannt, dass die Platten wesentlich nur das blaue und violette Licht verschluckten (absorbieren), und dass nur diese absorbieren Strahlen auf die Platte wirkten, die übrigen nicht.

Hermann William Vogel versuchte nun bereits 1873, dem Bromsilber Stoffe beizumischen, welche das grüne, gelbe und rote Licht absorbierten, um die photographische Platte dadurch auch für jene Strahlen empfindlich zu machen. Der Versuch war schließlich 1884 mit der Entdeckung von Eosin von Erfolg gekrönt und wurde die Basis zur Entwickelung der farbenempfindlichen – isochromatischen beziehungsweise orthochromatischen Verfahren.

Vogel benutzte als optische Sensibilisatoren, das heißt als Stoffe, welche das Bromsilber gelb-, resp. rotempfindlich machen, im Licht leicht verschiedende organische Farbstoffe wie Fuchsin, Cyanin, Eosin etc.; dadaurch gelang es ihm, die Silberhalogenide auch für langwelligeres grünes und rotes Licht su sensibilisieren.

Zuerst versuchte Ducos de Hauron dieses Prinzip praktisch anzuwenden. Die nachteilige Wirkung der Sensibilisatoren auf die fotografischen Chemikalien stellte aber der Praxis Hindernisse in den Weg, die hauptsächlich durch Einführung der Gelatinetrockenplatten durch Richard Leach Maddox um 1871 beseitigt wurden.

Attout Tailfer brachte 1883 mit Eosin gefärbte isochromatische Gelatineplatten in den Handel; 1884 entdeckte Vogel die optisch sensibilisierende Kraft des Jacobsenschen Chinolinrots und präparierte mit diesem unter Zusatz von Chinolinblau die farbenempfindlichen Azalinplatten.

Alle diese isochromen Platten bedurften aber zur Abschwächung des zu stark wirkenden blauen Lichts noch der Einschaltung einer Gelbscheibe bei der Aufnahme. Diese Mängel überwand Hermann Wilhelm Vogel durch Einführung des Eosinsilbers als optischen Sensibilisators. Durch seine und Obernetters Bemühungen entstanden die Eosinsilberplatten, welche sich von den herkömmlichen farbenempfindlichen Trockenplatten durch bedeutend größere Empfindlichkeit auszeichnen. Nur für Aufnahmen von Gemälden bedürfen dieselben noch zuweilen (bei leuchtend blauen Tönen) einer Gelbscheibe, bei Landschaften, Porträten etc. nicht.

Vogels orthochromatische Sensibilisierung wurde 1902 durch Adolf Miethe und Arthur Traube weiter verbessert; mit der so genannten panchromatischen Sensibilisierung wurde erstmals eine vollständige Tonwertrichtigkeit bei der Umsetzung von Farben in Graustufen erzielt.

Die panchromatische Sensibilisierung bildet die Grundlage für jede Farbfotografie.

Lichtstärke

Auch die Lichtstärke von Objektiven konnte deutlich gesteigert werden. Während die Boxkameras der 20er und 30er Jahre eine typische größte Blende von 1:11 hatten, verfügten die Modelle aus den 50er Jahren bereits über 1:9 oder sogar 1:8.

Vergleichsweise lichtstarke Objektive gab es aber bereits länger; ein Beispiel hierfür ist das Petzvalobjektiv, das gemeinsam von Josef Maximilian Petzval und Peter Wilhelm Friedrich von Voigtländer im Jahre 1840 konstruiert wurde; mit einer Offenblende von 1:3,6 war es im Vergleich zu Daguerres Objektiv von 1839 22-mal lichtstärker, was unter günstigen Bedingungen erstmals Porträts mit Belichtungszeiten von weniger als einer Minute ermöglichte. Das Petzvalobjektiv wurde von Voigtländer produziert und mit großem Erfolg weltweit vertrieben; bis 1862 produzierte er 60.000 Stück.

Das derzeit lichtstärkste Objektiv wurde von Carl Zeiss, Oberkochen, entwickelt. Mit dem Planar 1:0,7 (Brennweite 50 mm), konnten Filmaufnahmen von bewegten Szenen bei Kerzenlicht gedreht werden, so etwa in Barry Lyndon von Stanley Kubrick. Weitere hochlichstarke Objektive sind beispielsweise das Canon 1:1,0 (50 mm) und das Leica M 1:1,0 (ebenfalls 50 mm).

Aufnahmeformat

Die Aufnahmeformate verringerten sich dagegen bis zu einem gewissen Grad; die größen Plattengrößen lagen um 1850 bei 165x216 mm (6 1/2x8 1/2 Inch; sog. Ganzplatte), die kleinsten bei 51x64 mm (2x 2 1/2 Inch, sog. Neuntelplatte). Noch Ottomar Anschütz fotografierte mit seinem Electrotachyscop auf Glasplatten im Format 9x13, was dem heutigen Großformat entspricht. Noch um 1890 war das am weitesten verbreitete Negativformat 13x18; das in den 1890er Jahren aufkommende Format 9x12 gilt als "Kleinbild" und technisch minderwertig.

Mit der Einführung des Rollfilms um 1880 verringerte sich die typische Negativgröße auf typische Mittelformatgrößen von 9x11 bis 6x6 cm; die berühmte Kodak Nr. 1 aus dem Jahr 1888 zeichnet runde (!) Bilder mit einem Durchmesser von 6,5 cm auf. Derartige Nagtivgrößen waren auch bei Boxkameras bis in die 50er Jahre verbreitet, dabei wurden die Nagtive für Papierabzüge jedoch noch nicht vergrößert. Als "Kleinbild" gilt um 1908 das Format 4,5x6 cm, ein heutiges Mittelformat.

Mit der Kleinbildfotografie verringerte sich das typische Negativformat ab 1925 erneut auf 24x36 mm (35-mm-Film. Die Pocket-Kameras der 70er Jahre verwendeten Filmkassetten mit dem Format 13x17 mm (Nr. 110). Noch kleinere Fimformate wie das Minox-Kleinstbildformat 8x11 mm oder weitere Sonderformate konnten sich allerdings nicht am Markt durchsetzen.

Der APS-Film des 1996 eingeführten Advanced Photo Systems (APS), die letzte bedeutende fotochemische Neuentwicklung des letzten Jahrzehnts, weist ein Negativformat von 16,7×30,2 mm auf, der APS-Film selbst ist 24 mm breit; dieses Format gewinnt heute eine gewisse Bedeutung als Sensorgröße von professionellen Digitalkameras.

Ein Grund für die erstaunliche Dauerhaftigkeit des Kleinbildformats über rund 80 Jahre liegt möglicherweise in einer Erkenntnis, die schon Oskar Barnack aus Berechnungen zum Auflösungsvermögen des menschlichen Auges gewonnen hatte: Die optimale Bildgröße für fotografischen Film liegt demnach bei 22x23 mm.

Automatisierung

Bereits in den 30er Jahren wird vereinzelt eine Belichtungsmessung in die Kameras integriert; dadurch wird der externe Handbelichtungsmesser oder das Schätzen der Zeit-Blenden-Kombination überflüssig.

Ab den 50er Jahren gelangen elektrische Elemente in die Fotokameras, so stellt beispielsweise Canon 1954 die Canon IV Sb2 mit elektrischer Blitzsynchronisation vor und Agfa bringt 1956 zur Photokina mit der Agfa Automatik die erste vollautomatische Kamera auf den Markt. Die sowjetische Krasnogorsk Mechanical Factory KMZ stellt mit der Kometa im Jahr 1958 die vermutlich welterste Kamera mit automatischem Entfernungsmesser vor. 1959 führt Agfa mit der Optima die erste vollautomatische Kleinbildkamera mit programmgesteuerter Belichtungsautomatik ein. 1960 integrieren die Iloca Camerawerke aus Hamburg in der Iloca Electric erstmals einen Elektromotor zum Filmtransport in das Kameragehäuse; die Krasnogorsk Mechanical Factory KMZ zieht 1963 mit der Zenit 5 nach.

Mit dem Eindringen von Kameraherstellern aus Fernost wurden die noch überwiegend mechanisch funktionierenden Apparate zunehmend automatisiert und elektronische Elemente zur Kamerasteuerung integriert. Ab Mitte der 60er Jahre tauchen die ersten Kameras mit einer Belichtungsmessung durch das Objektiv (Through-the-lens, TTL) wie beispielsweise die Canon FX auf. Die ersten Kameras mit elektronisch gesteuertem Zentralverschluß erscheinen (beispielsweise Minolta Electro-Shot, 1965). Die erste SLR-Systemkamera mit Mehrfachbelichtungsautomatik stellt Minolta 1978 mit der XD-7 vor; ein kybernetisches System mit Computerschaltungen aus monolithischen LS-ICs und Hybrid-ICs steuert zahlreiche Kamerafunktionen.

Auch das Fokussieren wird automatisiert; 1971 zeigt Nikon den Prototyp eines Wechselobjektivs mit Autofokus; das Nikkor 1:4,5/85 mm gelangt jedoch nie in den Handel. 1977 präsentiert Konica mit der C35-AF die erste Kleinbild-Sucherkamera mit passivem Autofokus. Das erste aktive Autofokus-System auf der Basis einer Infrarot-Entfernungsmessung vermarktet Canon ab 1979 mit der AF35M, die auch als Autoboy bekannt ist.

Der zunehmenden Proprietarisierung der Zubehörprodukte versuche das SCA-Adaptersystem von Metz u.a. entgegenzuwirken; es ermöglicht die Verwendung eines SCA-Blitzes mit verschiedenen proprietären Steuerungsinformationen über ein kameraspezifisches Adaptersystem an den Kameras unterschiedlicher Hersteller.

1985 landet Minolta einen Coup ersten Ranges, als mit der Minolta 7000 und 9000 die ersten Kleinbild-Spiegelreflexkameras mit Autofokus präsentiert werden, Jahre bevor die Konkurrenz vergleichbare Systeme marktreif hat; Nikon lizenziert die Autofokus-Technologie und bringt bereits ein Jahr darauf die Nikon F-501 auf den Markt, während Canon auf eine Eigenentwicklung setzt und die ersten AF-Modelle erst 1987 präsentieren kann (Canon EOS 650 und EOS 620). Ein Jahr später folgt mit der Minolta Dynax 7000i bereits die zweite Generation der AF-Kameras von Minolta mit "vorausberechnendem" Autofokus, drei AF-Sensoren und der Fähigkeit zur Bewegungserkennung.

Emergenz der Konkurrenz aus Fernost

In den 1920er Jahren werden in Japan die ersten Kamerahersteller gegründet, so beispielsweise Minolta (1928, damals noch nichidokushashinkishoten, "japanisch-deutsches Kamerageschäft"). Die Hersteller bauen zunächst nur deutsche Markenprodukte nach und fertigen diese zu extrem günstigen Preisen. Dies betrifft zunächst überwiegend die hochpreisigen Mittelformatkameras, bald jedoch auch die hochwertigen Kleinbildkameras.

Während die Billigkonkurrenz aus Fernost zunächst nicht ernst genommen wird, steigt die Qualität der Produkte Made in Japan ab den 50er Jahren mit zunehmendem Fertigungs-Know-how und ein Verdrängungswettbewerb setzt ein, in dessen Verlauf viele deutsche Traditionsunternehmen wie Voigtländer in Konkurs gehen.

Boxkameras

Die Amateurfotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die so genannten Boxkameras. Das Konzept wurde ursprünglich in den USA entwickelt: eine möglichst einfach zu bedienende, preiswert herzustellende Kamera, die mit Rollfilm arbeitete.

Zu den frühen Boxkameras zählt beispielsweise die Brownie Nr. 2 der Eastman Company aus dem Jahr 1901; sie nahm Bilder im Format 6x9, also einem klassischen Mittelformat auf.

In Deutschland gelang es ab etwa 1915, konkurrenzfähige Rollfilme herzustellen. Ab etwa 1916 tauchen deutsche Box-Vorläufer wie Ernemanns Film K-Modelle auf. Der Siegeszug der Boxkameras setzt in Deutschland etwa zehn Jahre später ein, als Ica 1924 die Onix vorstellte. In den folgenden Jahren kommt eine Flut von Boxkameras auf den Markt; die meisten Hersteller sind heute nur noch in Sammlerkreisen und bei Fotohistorikern bekannt. Ihre Namen: Goerz, ESPI, Balda, Eho, Beier, Certo, Bilora u.a.

Agfa produziert preiswerte Boxen und setzt in Verbindung mit einer spektakulären Marketing-Aktion innerhalb weniger Monate rund 900.000 der so genannten Preis-Boxen um. Die Aktion, bei der Kameras für vier Mark abgegeben werden, soll eigentlich den Umsatz an den hauseigenen Filmen ankurben, die Mitbewerber bieten jedoch bald auch vergleichbar preiswerte Produkte an. Bis heute ist ungeklärt, wie sich die Dumping-Produktion für die Agfa-Konkurrenz ohne Quersubventionuerung rechnen konnte.

Zeiss Ikon bedient ein höherpreisiges Marktsegment mit hochwertigen Boxkameras (beispielsweise Tengor II); die Kameras verfügen beispielsweise über drei Schärfebereiche und nicht nur über ein Fixfoxus-Objektiv und teilweise achromatisch vergütete Objektive.

Während des Zweiten Weltkriegs wird die Fotoindustrie auf Rüstungsprodukte umgestellt und die einheimische Fotowirtschaft bricht weitgehend zusammen. Erst nach dem Krieg wird ab etwa 1948 die Produktion wieder aufgneommen. Alte und neue Hersteller (wie Vredeborch, Carl Braun, Friedrich Linden und Adox läuten einen Frühling der Boxkameras ein, der bis in die 60er Jahre anhält; danach werden die Boxkameras verdrängt durch Kompaktkameras für Kleinbildfilm und neue Bauformen wie Instamatic- und Pocket-Kameras.

Mittelformatfotografie

Die auf dem Rollfilm basierende Mittelformatfotografie hat ihre Wurzeln in den vergleichsweise kompakten Kameras der 1870er Jahre.

Der Rollfilm selbst ist – entgegen der verbreiteten Meinung – weder eine Erfindung von George Eastman selbst, noch von Mitarbeitern der Eastman Company wie William Walker oder Henry M. Reichenbach.

Papier als flexibler Schichtträger wurde bereits um 1816 bei den frühen fotografischen Experimenten von Joseph Nicéphore Nièpce verwendet; 1840 nutzte William Henry Fox Talbot Papiernegative zur Anfertigung seiner Salzpapierpositive.

Der erste Film mit Zellulose als Schichtträger wurde 1868 von John Wesley Hyatt hergestellt und in den USA patentiert. Ein verbesserter Zelluloidfilm wurde 1887 von Hannibal Goodwin für Thomas Alva Edison entwickelt und ebenfalls patentiert. George Eastman ignorierte die vorhandenen Patente und führte bis 1898 einen Rechtsstreit, zu dessen Abschluss er zu einer hohen Schadensersatzzahlung an Goodwin verurteilt wurde.

Das aggressive Vorgehens Eastmans ermöglichte es seinem Unternehmen jedoch, bis Ende des 19. Jahrhunderts eine marktbeherrschende Stellung aufzubauen und eine wahrheitswidrige Geschichtsschreibung zu begünstigen.

Die Mittelformatfotografie mit ihren heute bekannten Bauformen setzt 1928 ein, als die Braunschweiger Firma Franke & Heidecke die Rolleiflex präsentieren; dabei handelte es sich um zweiäugige Spiegelreflexkamera für das klassische Mittelformat 6x6 cm; eine preiswertere Variante erscheint 1933 mit der Rolleicord.

Ab etwa 1940 taucht Viktor Hasselblad in der Geschichte des Mittelformats auf: er konstruiert in Göteborg im Auftrag der schwedischen Regierung die HK 7 mit dem Aufnahmeformat 7x9 cm auf 80-mm-Film sowie 1941 die SKa 4 für die schwedische Luftwaffe. Zwischen 1941 und 1945 liefert Hasselblad insgesamt 342 Kameras an das Militär. Das so erworbene Fertigungs-Know-how setzt er ein, um ab 1948 einäugige Spiegelreflexkameras für Privatkunden herzustellen. Die klassische Hasselblad 1600F mit Metallschlitzverschluss und Wechselmagazinen für das Format 6x6 cm entsteht; sie wird 1952 durch das verbesserte Modell 1000F abgelöst, das die "Fotolegende" Hasselblad begründet.

Weitere wichtige Hersteller von Mittelformatkameras sind: Alpa, Camogli, Contax, Dr. Gilde, Fujifilm, Horseman, Kiev, Koni, Linhof, Mamiya, Noblex, Pentax, Salyut, Tachihara, Teamwork, V-Pan, Yashica Kyocera, Zenit und Zenza-Bronica.

Kleinbildfotografie

In der langen Entwicklungszeit der fotografischen Kamera wurden aus den mehrere Kilogramm schweren, unförmigen Fotokästen der fotografischen Frühzeit immer kleinere, leichtere und komfortablere Kameras.

Für diese Entwicklung gab es drei entscheidende Einflüsse:

Vorläufer der Kleinbildkameras waren die so genannten Handkameras wie die Detektivkamera von Thomas Bolas (1881) und die Kodak Nr. 1 von George Eastman (1888).

Als erste Kleinbildkamera nach heutiger Definition entwickelte Oskar Barnack, ein Mitarbeiter der Optischen Werke Werner Leitz in Wetzlar, die Leica ("Leitz Camera"). Barnack hatte die Kamera seit 1913 entwickelt und stellte sie erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 der Öffentlichkeit vor. Der ursprüngliche Zweck des Apparates war es, kurze Filmstreifen unabhängig von der großen Filmkamera zu belichten, um die Ausleuchtung einer Szene vor dem Dreh überprüfen zu können (Standfotos). Das Kleinbildformat von 24 × 36 mm ergab sich damals aus der Verdopplung des Stummfilm Kinoformats (18 × 24 mm). In der Fotografie handelt es sich dabei um das am weitesten verbreitete Filmformat, sowohl für Sucherkameras als auch für Spiegelreflexkameras.

Die 1933 vorgestellte Contax I von Carl Zeiss verfügt über ein versenkbares Objektiv und belichtet 36 Aufnahmen auf Kleinbildfilm; 1936 folgt die Contax 2.

1933 wird – nach westlicher Geschichtsschreibung – mit der Konstruktion der ersten Spiegelreflexkamera für das Kleinbildformat begonnen; die Kine-Exakta der Firma Ihagee aus Dresden kommt 1936 auf den Markt.

Nach der – in Deutschland leider kaum bekannten – sowjetischen Fotogeschichtsschreibung stammt die erste Kleinbildspiegelreflexkamera für 35-mm-Film aus der Sowjetunion: Sie wurde 1929 (!) hergestellt und hieß MINE; ein ähnliches Modell wurde ab 1934 unter dem Namen GELCETA hergestellt und später umbenannt in SPORT. Bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Jahr 1941 sollen von diesen Kameras rund 16.000 Exemplare augeliefert worden sein. Bemerkenswert ist dabei dass die deutsche Kine Exakta erst ab 1936 hergestellt wurde.

Auch das japanische Unternehmen Canon stellt 1945 mit der Canoflex seine erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera vor.

thumb|Infacolor Kleinbild-Farbnegativfilm, 12 Bilder Die ebenfalls noch heute üblichen Filmpatronen wurden 1936 von der IG Farben entwickelt.

Anfangs belächelt, ermöglichte die 35-mm-Kamera eine mobile, schnelle Fototografie. Dies begründete die moderne Reportage- und Reisefotografie; zu den Fotografen, die ausschließlich mit Leicas und Kleinbildfilm arbeiteten, gehört beispielsweise Gisèle Freund.

Den Höhepunkt ihrer Verbreitung erreicht die Kleinbildfotografie 1971, als allein in Deutschland 800.000 Kleinbild-Spiegelreflexkameras verkauft werden.

Kleinstbildfotografie

Die moderne Kleinstbildfotografie beginnt 1936 mit der Vorstellung der ersten Kamera für das Format 8x11 mm von Minox, einem von Walter Zapp gegründeteten Kamerahersteller.

Das Format 8x11 mm hatte bereits Carl August Steinheil 1839 (!) für seine Miniaturkamera verwendet.

Farbfotografie

Die Farbfotografie basiert auf Experimenten aus der Frühzeit der Fotografie. So arbeitete bereits 1860 Niépce de Saint-Victor an einem Verfahren, alle Farben auf einer einzigen lichtempfindlichen Schicht aufzuzeichnen (Heliochromie).

1861 veröffentlichte der schottische Physiker James Clerk Maxwell das erste Farbbild als Nachweis für die Theorie der additiven Farbmischung, die auf der Young-Helmholtzschen Farbtheorie basiert. Die Vorführung der additiven Farbmischung (Additionsverfahren) basierte auf drei Diapositiven, die durch drei Farbfilter (Rot, Grün und Blau) fotografiert worden waren und durch entsprechende Filter deckungsgleich projiziert wurden.

Entsprechende farbfotografische Verfahren wurden parallel von Louis Ducos du Hauron und Charles Cros seit etwa 1862 entwickelt und 1868 gleichzeitig präsentiert. Allerdings konnte nur du Hauron ein patentiertes und praktikables Verfahren vorführen. Du Haurons Verfahren basierte auf Bromsilber-Kollodiumplatten und ergab Pigment-Diapositive. Beide Verfahren basieren jedoch auf dem Prinzip der Dreifarbigkeit (Trichromie).

Die orthochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials gelang erstmals Hermann Wilhelm Vogel 1873; hierbei wurde das Aufnahmematerial neben Blau auch für die Grün- und Gelbanteile des Lichts sensibilisiert.

Eine andere Interferenzmethode entwickelte Gabriel Lippmann, die er 1891 unter der Bezeichnung "Methode der Photographie in Farbe mittels Interferenzmethode" veröffentlichte. Für diese Entdeckung erhielt Lippman 1908 den Nobelpreis

Die Brüder Auguste und Louis Lumière stellten 1904 die Autochrom-Platten vor, die mit orangerot, grün und violett eingefärbten Stärkekörnchen aus Kartoffeln und einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion arbeiteten; die Stärkekörnchen wirkten dabei als rasterartiger Filter.

Die ersten Dreischichtenfilme wurden 1936 von Agfa und Kodak auf den Markt gebracht. Nach diesem Verfahren funktionieren Farbfilme prinzipiell bis heute (siehe Farbfilm).

Kodak Instamatic und Agfa Rapid

Das Instamatic-System wurde in den 60er Jahren eingeführt; es basierte auf einem Kasettenfilm von Kodak und verwendete 126er-Film. Es hielt sich bin in die 80er Jahre. Heute sind keine Filme mehr für dieses System am Markt.

Als Konkurrenzsystem versuchte Agfa, Agfa Rapid zu etablieren, das zwar technisch überlegen war, jedoch keinen großen Erfolg hatte; das System verschwand in den 70er Jahren vom Markt.

Spätere Versuche, Kassetten-basierte Systme zu etablieren, waren das Pocket-, Kodak Disc- (ab 1982) und das APS-System (ab 1996).

Pocket-Kameras

Die historischen Vorläufer der Pocketkamera sind die ersten tragbaren Fotoapparate, die so genannten Handkameras aus den 1870er Jahren; funktional verwandte Bauformen waren auch die Boxkameras, die Westentaschenkameras, die Magazinkameras und die Kassettenkameras sowie im 20. Jahrhundert dann die Instamatic-Kameras.

Ein weiterer naher Verwandter der modernen Pocketkameras stammt von Kodak; George Eastman hatte 1894 von Samuel N. Turner eine Lizenz für ein Patronen-Film-System erworben; darauf aufbauend brachte Eastman ab 1895 die Kameras der Pocket Kodak-Serie heraus; dabei handelte es sich um einige der ersten Kameras, die eine Tageslichtwechselung des Films ermöglichten.

Das Pocket-Format selbst wurde 1972 mit der Pocket Instamatic 110 von Kodak eingeführt.

Heute sind Pocketkameras weitgehend in Vergessenheit geraten; dies reicht so weit, dass kompakte Digitalkameras als Pocketkamera tituliert werden, obwohl diese natürlich keinen Pocketfilm verwenden.

Kodak Disc

thumb|125px|Geöffneter Disc-Film ("Negativ") Das 1982 eingeführte Kodak Disc-System war ein Versuch, den Kleinbildfilm als Standard-Aufnahmematerial abzulösen und den Absatz von fotografischen Produkten anzukurben.

Disc-Filme sind mit einer Plastikhülse ummantelt, die einer 3,5"-Diskette ähnelt; im Gegensatz zu Instamatic-, Pocket- oder Minox-Kleinstbildfilm gibt es jedoch weder einen Filmstreifen noch eine Spule, da der Filmträger kreisförmig um einen Plastikkern aufgebracht ist.

Das System war nur wenige Jahre auf dem Markt und verschwand Ende der 80er Jahre restlos; heute sind weder Disc-Filme im Handel erhältlich, noch ist es möglich, Abzüge von Disc-Negativen anfertigen zu lassen.

Advanced Photo System

Das Advanced Photo System (APS) ist der Versuch einer umfassenden Modernisierung der Fototechnik. Die Hybridtechnologie des APS wurde offiziell am 22. April 1996 von den Kamera- und Filmherstellern Canon, Fujifilm, Kodak, Minolta und Nikon vorgestellt.

Bei dem Advanced Photo System handelt es sich nicht nur um ein neues Filmformat, es wurde vielmehr versucht, vor allem in drei Aspekten fototechnische Neuerungen einzuführen: neues Filmmaterial, neuartige Kameras und optimierte Laborverarbeitung.

Das APS-Format konnte sich am Markt nicht durchsetzen und hat seit dem Dominieren von Digitalkameras im Consumer-Segment nahezu keine Bedeutung mehr; die meisten Kamerahersteller haben ihre APS-Modellreihen zwischen 2001 und 2002 eingestellt oder lassen diese auslaufen. Auch die Eastman Kodak Company, einer der Initiatoren von APS, kündigte an, die Produktion für APS-Kameras weltweit Ende 2004 einzustellen.

Diverse mit APS eingeführte Neuerungen wurden jedoch in neuere Kleinbildkameras übernommen, so beispielsweise die Möglichkeit zum komfortablen Auswechseln eines teilweise belichteten Films (Mid-Roll-Change beziehungsweise Mid-Reload) sowie der Index Print.

Auch in Digitalkameras finden sich verschiedene Konstruktionsmerkmale der kompakten APS-Kameras wieder, und das EXIF-Dateiformat zeichnet dieselben Informationen auf, die auch mit den PQI-Daten bei APS gespeichert werden konnten.

Digitalfotografie

Der erste CCD-Chip wird 1970 von den Bell Laboratories entwickelt. Den ersten kommerziellen CCD-Sensor stellt Fairchild Imaging 1973 vor; er hat eine Auflösung von 0,01 Megapixeln (100x100 Pixel).

Sony Mavica FD5|thumb|Sony Mavica mit 90-mm-Diskette als Speichermedium und VGA-Auflösung (ca. 1998) Ab Mitte der 80er Jahre tauchen die ersten kommerziell erhältlichen Digitalkameras auf, die noch als Still Video Cameras bezeichnet werden; als erstes Modell gilt die Sony Mavica (Vorstellung eines Protytyps 1981), das erste kommerzielle Produkt ist die Canon RC-701 aus dem Jahr 1986.

Ab 1991 gewinnt die Digitalfotografie zunehmend an Bedeutung durch die Vorstellung erster Profi-Kameras (Digital Camera System oder DCS, eine Gemeinschaftsentwicklung von Kodak und Nikon). Die erste professionelle Kleinbild-Spiegelreflexkamera von Minolta folgt 1995 mit der Minolta RD-175 in 3-CCD-Technik und einer Auflösung von 1,75 Megapixeln.

1992 führt Kodak mit der Kodak Photo CD ein Hybridsystem ein, bei dem Bilder mit konventionellen Fotoapparaten erzeugt werden, die Bilder dann jedoch digitalisiert und auf CD-R augeliefert werden.

In den folgenden Jahren wird die Bildauflösung der digitalen Fotoapparate kontinuierlich gesteigert; im Jahr 2004 gelten fünf Megapixel als Standard, hochwertige Apparate liefern Auflösungen zwischen acht und 16 Megapixeln, die auch Ausbelichtungen in Postergrößen ermöglichen.

Die Technik der Digitalen Fotografie revolutionierte auch die Möglichkeiten der Digitalen Kunst, insbesondere auch durch die Technik der Fotomanipulation.

In Folge der Einführung von digitalen Aufnahme- und Bearbeitungstechniken wurden verschiedene Dateiformate wie JPEG, GIF und TIFF für die Speicherung der Bilddateien entwickelt. Insbesondere durch Kompressionsverfahren konnte die Bildgröße digitaler Bilder erheblich verkleinert werden; erst durch Kompression wurde die Einbindung von Bildern im Internet attraktiv.

21. Jahrhundert

Das beginnende 21. Jahrhundert ist einerseits gekennzeichnet durch eine Verdrängung von analoger Fototechnik zugunsten digitaler Verfahren, andererseits durch eine Konvergenz von Computertechnik, Videotechnik und digitaler Fotografie.

Im Heimanwenderbereich haben sich Digitalkameras ab etwa 2003 durchgesetzt; in diesem Jahr wurden auch erstmals mehr Digitalkameras als analoge Apparate verkauft. Gleichzeitig setzte auch eine Überlastung des Marktes ein: Im Jahr 2003 waren bis Jahresende insgesamt 1.463 neue Kameramodelle vorgestellt worden (Photonews 10/04. S. 3).

Digitalkameras werden seit Anfang des 21. Jahrhunderts zunehmend in andere Geräte integriert:

Literatur

Weblinks


Siehe auch: Chronologie der Fotografie, Technikgeschichte




Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL

zurück zum Index