James Nachtwey

James Nachtwey (* 1948 in Syracuse, N. Y., andere Quellen: Massachusetts) ist ein amerikanischer Dokumentarfotograf, Kriegsberichterstatter und Fotojournalist.

Nachtwey zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Dokumentarfotografie, insbesondere der Kriegsfotografie.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Nachtwey wuchs auf in Leominster, Massachusetts, USA und studierte Kunstgeschichte (Art History) und Politikwissenschaft (Political Science) in Dartmouth von 1966-1970. Nach dieser Zeit arbeitete er auf Handelsschiffen und als Lastwagenfahrer; etwa 1972 entschloss er sich – unter Einfluss der Studentenbewegung und des Vietnamkriegs – Fotograf zu werden. Dieses Ziel verfolgte er über nahezu zehn Jahre, jedoch vorerst ohne Bilder zu publizieren; während dieser "Vorbereitungszeit" brachte sich Nachtwey die Fotografie autodidaktisch bei durch das Studium von Fotobüchern und Dunkelkammerarbeit; zu den Fotografen, deren Arbeiten er studierte, gehören u.a. Henri Cartier-Bresson, Gene Smith, Josef Koudelka und Don McCullin. Nachtwey besitzt bis heute keine formale Qualifikation als Fotograf.

Zunächst lernte er den Alltag eines Reporters kennen als Assistent eines Nachrichten-Redakteurs bei der US-Fernseh-Gesellschaft NBC in New York. Ab 1976 fotografierte er selbst erstmals regionale Ereignisse in New Mexico; ab 1980 arbeitete er dann als freier Fotograf in New York.

Seine erste Fotoreportage entstand 1981 in Nordirland, wo er die Unruhen in Belfast dokumentierte. Nachtwey arbeitet seit dieser Zeit fast ausschließlich in den jeweiligen Krisengebieten der Welt unter dem Motto des "Witness" ("I have been a witness, and these pictures are my testimony. The events I have recorded should not be forgotten and must not be repeated"). Was ihn antreibt, ist nach eigenen Aussagen die Suche nach einem Antidot gegen Krieg und die Hoffnung darauf, etwas verändern zu können.

In den achtziger Jahren bereiste er dann als Dokumentarfotograf die lateinamerikanischen Länder (El Salvador, Nicaragua, Guatemala, Brasilien u.a.), den Nahen Osten (Libanon, Israel und die besetzten Gebiete (West Bank), Kurdistan u.a.) sowie Afrika (Ruanda, Somalia, Südafrika (1994) u.a.).

Anschließend folgten zahlreiche Reisen in das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und die Länder des Ostblocks wie Bosnien, Rumänien und Tschetschenien. Auch in Afghanistan entstand 1996 eine Fotodokumentation des Krieges. In Asien entstanden zunehmend Reportagen, die sich mit der Armut und den Lebensumständen der dortigen Bevölkerung beschäftigten (Indonesien, Thailand, Indien, Sri Lanka, Philippinen, Südkorea u.a.)

Nachtwey wurde am 11. Dezember 2003 in Bagdad bei einer Explosion schwer verletzt, als er amerikanische Soldaten bei einer nächtlichen Patrouille begleitete (vgl. [1] (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,277979,00.html)).

Seit 1984 steht Nachtwey unter Vertrag beim Time Magazine; zwischen 1980 und 1985 kooperierte er mit Black Star. Zwischen 1986 und 2001 war James Nachtwey Mitglied der Fotoagentur Magnum; seit 2001 arbeitet er für die Agentur VII, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört.

Nachtwey wohnt am Rand von Manhattan.

Methodik und Technik

James Nachtwey fotografiert nach der Maxime, möglichst dicht am Motiv zu sein; er ist "within a rifle butt's reach, sitting upright, his finger poised above the shutter" (Chris Wright). Nachtwey vermeidet Teleobjektive und spektakuläre Aufnahmestandpunkte; stattdessen bevorzugt er Weitwinkelobjektive und begibt sich auf Augenhöhe der von ihm fotografierten Subjekte, er geht "nah ran", ganz nach Robert Capas "goldener Regel" der Reportagefotografie: "If your pictures aren't good enough, you're not close enough".

Nachtweys Methodik hat sich im Laufe seiner mehr als zwei Jahrzehnte umfassenden Tätigkeit als Fotograf verändert; in den 80er Jahren versuchte er noch, archetypische Einzelbilder zu finden, die komplexe Geschehnisse in ein einziges Bild komprimieren konnten. Heute arbeitet er dagegen überwiegend in Serien, die auch den Kontext zeigen, und nur noch selten in alleinstehenden Einzelbildern.

Er fotografiert sowohl digital (Canon EOS-1Ds) als auch mit analogem Film (Canon EOS-1Vs und 1Ns, Fujifilm für Farbfotos und Kodak Tri-X für Schwarzweissbilder), bevorzugt jedoch Negativfilm. Digitale Fotos werden für ihn jedoch zunehmend notwendig, um knappe Termine für Auftragsarbeiten erfüllen zu können. Unterwegs führt er dann ein Apple PowerBook G4 mit sich, während er im Studio einen Apple Power Mac G4 nutzt. Nachtwey betont jedoch die überragende Bedeutung des geschulten Auges gegenüber der Technik: "documentary photography and photojournalism are based on perception, not on technology" [2] (http://www.apple.com/pro/photo/nachtwey/index2.html).

Wirkung, Bedeutung und Kritik

Nachtwey ist derzeit einer der erfolgreichsten Kriegsberichterstatter; seine Bilder werden in zahlreichen Zeitungen, Magazinen und Illustrierten veröffentlicht. Nachtwey fühlt sich der concerned photography verpflichtet und seine Bilder zeigen Mitgefühl für die Opfer von Kriegen und sozialer Ungerechtigkeit; er interessiert sich zunehmend für Armut und sozialkritische Themen. Er behauptet, "ein Journalist, der sich in eine Kriegszone begibt, übt die höchste Form von Journalismus aus". Nach seiner Auffassung hat die Presse die Möglichkeit, Ereignisse wirkungsvoll zu beeinflussen; Kriegsreportagen sollten daher nicht unterhalten oder nur informieren, sondern "Instinkte berühren und Politiker zum handeln antreiben" (vgl. [3] (http://www.hossli.com/Portfolio/Interview/jamesnachtwey.html)).

Seine Arbeit ist jedoch auch umstrittenen. So kritisiert Richard B. Woodward in The Village Voice, Nachtwey bilde den Schrecken von Krieg und Tod als "ästhetisches Wunder" ab; Nachtwey sei eben so anti-war wie der Modefotograf Herb Ritts anti-fashion sei und Nachtwey habe – im Gegensatz zu Robert Capa – kein Anliegen. Er wirft dem Fotografen vor, bei dem sensationslüsternen Publikum den "Appetit" auf immer grauenvollere Bilder zu befriedigen und sich dabei in der Rolle des "Heiligen" zu gefallen. Deshalb sprechen einige Kritiker im Zusammenhang mit Nachtweys Kriegsfotos auch von war pornography.

Jenseits von aller theoretisierenden Kritik empfiehlt es sich, das Werk von Nachtwey in einer der zahlreichen Ausstellungen, Buchpublikationen oder in dem Dokumentarfilm War Photographer selbst kennen zu lernen.

Werk

Nachtweys Werk ist vielfach publiziert, ausgestellt und ausgezeichnet worden.

Ausstellungen

Auswahl einiger Ausstellungen:

thumb|250px|James-Nachtwey-Ausstellung in Berlin, Galerie c/o (2004)

Buchpublikationen

Auswahl einiger Buchpublikationen:

Film

Der Autor und Regisseur Christian Frei drehte den Dokumentarfilm War Photographer über die Arbeit von James Nachtwey (Schweiz 2001, 96 Minuten, 35 mm, Dolby Stereo), der 2001 für den Academy Award als bester Dokumentarfilm (Best Documentary Feature) nominiert wurde.

Auszeichnungen, Preise und Ehrungen

Weblinks





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