Kamerasystem

Als Kamerasystem wird eine Kombination aus einer fotografischen Kamera, der Systemkamera, und dem dazu kompatiblen Systemzubehör bezeichnet. Die Verwendung des Begriffs ist in der Fotografie heute nicht mehr konsistent; teilweise werden schon einfache Kompaktkameras mit einer Handvoll von separat zu erwerbenden Zubehörteilen als Kamerasystem vermarktet, was aber der eigentlichen Bedeutung des Begriffs widerspricht. Durch die zunehmende Integration von immer mehr Komponenten in Kameras ist der ursprüngliche Begriff des Kamerasystems aufgeweicht worden. So enthalten viele Kameras heute eingebaute Blitze, einen motorischen Filmtransport statt eines ansetzbaren Filmtransportmotors, und standardmäßig Rückwände mit Dateneinbelichtung statt austauschbarer Datenrückwände. Austauschbare Sucher und Filmmagazine sind im Kleinbildbereich vollständig verschwunden.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Folgende Merkmale kennzeichnen ein Kamerasystem:

Nicht in jedem Kamerasystem werden alle Kriterien erfüllt. Als Faustregel gilt jedoch, dass mindestens drei der fünf Kriterien erfüllt werden sollten.

Grenzfälle:

Segmente

Systemkameras werden in unterschiedlichen Marktsegmenten angeboten, beispielsweise gibt es Kamerasysteme für Kleinbildkameras, Mittelformatkameras und Digitalkameras.

Folgende Anbieter sind in den unterschiedlichen Segmenten aktiv:

Anbieter

Zwischen den Kamerasystemen der einzelnen Anbieter gibt es eine Reihe von bemerkenswerten Eigenschaften.

Canon

Canon bietet ein Kamerasystem, das EOS-System, das sowohl Analogkameras mit Autofokus als auch kompatible Digitalkameras umfasst.

Das analoge FD-System mit manuell zu fokussierenden Kameras wird nicht mehr unterstützt. Da Canon mit der Einführung des EOS-Systems auch ein neues Bajonett etabliert hat, können Objektive mit dem alten FD-Bajonett an EOS-Kameras entweder gar nicht oder nur mit Adaptern von Drittanbietern genutzt werden.

Im Bereich der digitalen SLR-Kameras existieren inzwischen vollwertige Kamerasysteme vom Profi bis zum engagierten Amateur. Die EOS-Modelle D30 und D60 werden nicht mehr produziert. Momentan werden folgende SLR-Modelle (alle mit CMOS-Technik) angeboten:

Daneben gibt es Produktlinien wie PowerShot, Digital IXUS und ION (Modellreihe wird nicht mehr gepflegt). Die Bezeichnung "PowerShot" ist willkürlich und wird wohl nur aus Marketinggründen verwendet; ein sich weiterentwickelndes Konzept sowie eine kontinuierliche Modellpflege, wie es beispielsweise bei den Kameras der E-Serie von Nikon erkennbar ist, gibt es bei den Canons PowerShot-Produkten nicht; hier werden vielmehr unterschiedlichste Produktlinien (S-Serie, G-Serie, A-Serie u.a.) inhomogen zusammengemengt.

Vorbildlich ist dagegen die konsequente Produktpflege des EOS-Systems, das sowohl analoge KB-SLR-Kameras als auch hochwertige digitale SLR-Kameras umfasst.

Contax

Das heutige Unternehmen Contax gehört, wie auch Yashica, zu dem japanischen Konzern Kyocera; die Marke "Contax" gehört heute Carl Zeiss (Quelle). Das Bajonett entspricht dem des Yashica-Kamerasystems. In die Firmengeschichte sind neben Kyocera auch Zeiss Ikon und Pentacon involviert. Contax ist auch der der Name einer legendären Kleinbild-Messsucherkamera, mit der Zeiss Ikon in Dresden sich ab 1930 als Hersteller "der besten Fotoapparate der Welt" (Quelle) etabliert hat.

Ab 1954 wurde die Contax D ("D" für "Dresden") gebaut, die noch das Zeiss Ikon-Logo trägt. An 1958 wurde die Contax F gebaut, die bereits das Pentacon Symbol trägt; Pentacon ist ein Akronym, das aus Pentaprisma und Contax gebildet wurde (vergleiche [1] (http://www.uni-mainz.de/~otto/Praktica/Praktika_Stamm.html)).

Vier Kamerasysteme sind heute von Contax verfügbar:

Die Kameras von Contax haben einen ausgezeichneten Ruf, die Objektive werden von Carl Zeiss gefertigt (bzw. von Yashica-Kyocera in Lizenz) und vermarktet.

Es gibt einige Autofokus-Kameras, die Contax N1 und die Contax NX, die das gleiche Bajonett verwenden wie die älteren Modelle. Ältere Objektive können nur mit Zeitautomatik oder manueller Einstellung verwendet werden, passen aber an alle Kameras.

Auf dem Gebrauchtmarkt haben Contax-Kameras, ähnlich den Spitzenmodellen von Nikon und Leica, eine hohe Wertstabilität; gut erhaltene Kameras werden beispielsweise auf Fotobörsen annähernd zum Neupreis gehandelt. Allerdings ist der Markt deutlich kleiner als die vorgenannte Konkurrenz, da Contax als teures Exotensystem gilt.

Leica

Leica bietet heute zwei Kamerasysteme:

M-System

Die Leica-Messsucherkameras sind die direkten Nachfahren der 1925 von Oskar Barnack entwickelten Ur-Leica. Bis 1954 wiesen die Leica-Modelle einen M39-Schraubanschluss für Objektive auf. 1954 erschien die M3 mit dem neuen M-Bajonettanschluss. Weitere Merkmale der M-Leicas sind der Messsucher mit verschiedenen Suchervergrößerungen und daraus resultierend unterschiedlichen Breiten der jeweiligen Messbasis. In den Messsucher automatisch eingespiegelt werden Leuchtrahmen, die das Bildfeld des angesetzten Objektivs anzeigen. Weitere M-Modelle in chronologischer Reihenfolge waren die M2, M4, M5, M6 und die M6TTL. Aktuell bietet Leica die M7 mit Zeitautomatik und die voll mechanische MP an.

Leica bietet Objektive für M-Kameras mit Brennweiten von 21, 24, 28, 35, 50, 75, 90 und 135 mm sowie ein tri-fokales Objektiv mit den Brennweiten 28, 35 und 50 mm an.

R-System

Aktuelles Modell: R9.

M42

M42 (genauer: M42x1) ist kein Hersteller, sondern die Bezeichnung für ein älteres, heute nicht mehr verbreitetes, genormtes Schraubgewinde, das beispielsweise in Kameras von Praktica und Ricoh verwendet wurde; M42 ist der Nachfolger des älteren M39-Schraubgewindes und stammt aus einer Zeit, als die Kamerahersteller noch nicht versuchten, die Kunden an das eigene System durch proprietäre Objektivbajonette zu binden.

Das früher übliche M42 Schraubgewinde ist heutzutage fast völlig vom Markt verschwunden. Kameragehäuse für dieses Gewinde sind nur noch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Jedoch bieten einige Firmen (zum Beispiel Tokina, Soligor, Sigma) gelegentlich auch neue Objektive an, die für die "alten" und neuen Kameragehäuse passen (vergleiche [2] (http://www.sternwarte-peterberg.de/projekte/photo/kamera.html)).

Objektive mit M42-Gewinde lassen sich an allen Kleinbildkameras verwenden, für die es mechanische Adapter gibt (zum Beispiel Canon FD und EOS, Contax/Yashica, Minolta MD und AF, Pentax K, Praktica B). Teilweise (Nikon) ist dann aber eine Korrekturlinse im Adapter nötig, um das Auflagemaß zu korrigieren.

Minolta

Das seit 1928 existierende Unternehmen Minolta bietet folgende Kamerasysteme:

Das Minolta-System bietet keine so konsequente Abwärtskompatibilität wie Nikon; die AF-SLR-Kameras verwenden das A-Bajonett, die digitalen Spiegelreflexkameras mal das A- und mal das V-Bajonett; Minolta bietet derzeit keine digitale Kamera mit Wechselobjektiven an.

Bei Minoltas AF-System befindet sich der AF-Motor i.d.R. im Kameragehäuse (bei Canon: Ultraschallmotoren im Objektiv; bei Nikon: neue AF-S-Nikkore; auch die Minolta-Vectis-Objektive aus dem APS-Bereich (V-System) arbeiten mit integrierten Motoren). Minolta bietet erst seit Ende 2003 Objektive mit integriertem Motor.

Das Kamerasystem konnte nie erfolgreich im Profi-Segment etabliert worden wie die konkurrierende Systeme von Canon oder Nikon; dementsprechend ist beispielsweise das Angebot an Höchstleistungsobjektiven wie Shiftobjektiven gering.

Die Stärken des Minolta-Systems liegen im kundenfreundlichen Preis-Leistungsverhältnis in allem Marktsegmenten, vom Einsteiger- bis zum Profisystem, der preiswerten Integration von nützlichen Funktionen wie drahtloser Blitzsteuerung, HSS-Blitz, der kürzesten Verschlusszeit von 1/12.000 Sekunde sowie eine Blitzsynchronzeit von 1/300 Sekunden.

Minolta pflegt die professionellen Komponenten aus Prestigegründen, sowohl bei den Gehäusen (Dynax 9) als auch bei Objektive (Objektive der "G"-Serie), obwohl diese High-End-Geräte nur einen geringen Marktanteil haben.

Nikon

Nikon bietet mehrere Kamerasysteme: Analog: F-System (mit Autofokus sowie manuell) und Nikonos (Unterwasserkameras); Digital: E-System (CoolPix, Sucherkameras), D-System (digitale SLR-Kameras).

Wie auch Pentax und Contax hat Nikon bei der Einführung der Autofokus-Kameras das Bajonett nicht geändert; alte Nikon-Objektive können ohne Adapter an Autofokuskameras verwendet werden können und umgekehrt; der Funktionsumfang ist dann jedoch häufig eingeschränkt. Grundsätzlich gilt das auch für die digitalen SLR-Kameras des D-Systems; auch hier hat Nikon das Bajonett beibehalten. Damit ist Nikon der Systemanbieter mit der höchsten Systemstabilität in Bezug auf Investitionssicherheit und -schutz.

Das Angebot an Systemzubehör ist ebenfalls einzigartig und umfasst nahezu alles, was ein Fotograf jemals benötigen kann.

Die Qualität der Objektive ist teilweise hervorragend; das Objektivsystem bietet außerdem diverse Spezialitäten wie Objektive mit Ultraschallmotor (AF-S, Silent Wave), verschiedene Makroobjektive mit Brennweiten zwischen 60 und 200 mm und diverse lichtstarke Teleobjektive im Bereich zwischen 300 und 600 mm.

Die Kameras der professionellen Modellreihen ("F"-Serie) sind ausgesprochen robust, auch ältere mechanische Modelle funktionieren meist noch nach Jahrzehnten sehr zuverlässig.

Wie auch Canon bietet Nikon einen an professionellen Fotografen ausgerichteten Service; höherwertige Kameras können daher bei den entsprechenden Servicepartnern innerhalb von 24 Stunden repariert werden; außerdem besteht die Möglichkeit, "exotische" Objektive (zum Beispiel extreme Telebrennweiten) bei bestimmten Fotohändlern zu mieten.

Nikon-Objektive und -Kameras weisen eine sehr hohe Wertbeständigkeit auf und sind auf Fotobörsen oder im Gebrauchtmarkt begehrt; bei hochwertigen Komponenten kann man auf dem Gebrauchtmarkt häufig auch noch nach Jahren annähernd den Neuwert erzielen. Umgekehrt bedingt dies jedoch auch, dass Nikon-Systemkomponenten eben auch auf dem Gebrauchtmarkt relativ hochpreisig sind.

Im Digitalbereich bietet Nikon neben dem hochpreisigen D-System mit SLR-Kameras das E-System (Marketingbezeichnung CoolPix), das seit einigen Jahren kontinuierlich gepflegt und erweitert wird.

Olympus

Das Olympus-Kamerasystem umfasst sowohl Olympus-Kameras (OM-Serie) als auch Festbrennweiten sowie Systemzubehör. Das SLR-System hat einen geringen Marktanteil und ist Anfang 2002 vollständig eingestellt worden. Objektive und Zubehör sind im Kamerahandel i.d.R. nur noch auf Anfrage erhältlich, nur für bestimmte Modelle soll für einen begrenzten Zeitraum noch die Versorgung mit Ersatzteilen sichergestellt sein.

Ein vorhandenes Olympus-System lässt sich durch Gebrauchtkäufe noch in einem gewissen Rahmen ausbauen, es ist jedoch fraglich, ob Investitionen in dieses tote System noch sinnvoll sind. Fremdhersteller von Wechselobjektiven unterstützen das Olympus-Bajonett i.d.R. nicht mehr.

Olympus konzentriert seine Aktivitäten im Bereich der Olympus-Digitalkameras; hier verfügt der Anbieter über einen hohen Marktanteil, ist jedoch aus verschiedenen Gründen umstritten. 2003 wurde das an professionelle Anforderungen orientierte völlig neue digitale Olympus E-System eingeführt.

Ganz grundsätzlich stellt sich für potentielle Kunden die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, in das Kamerasystem -- egal ob analog oder digital -- eines Herstellers zu investieren, der eine ganze Modellreihe einfach ersatzlos und ohne Anbieten eines Migrationspfades einstellt.

Durch den Boom bei den Digitalkameras landen viele alte Olympus-Spiegelreflexkameras auf dem Gebrauchtmarkt. Dort sind die Preise in den letzten Jahren ständig gesunken. Es gibt gute Gründe statt einer Digitalkamera oder einer Autofokus-SLR eine Manuellfokus-SLR zu kaufen. Unter den gebrauchten Spiegelreflexkameras aus den 70er und 80er Jahren sind die verschiedenen Modelle des OM-Systems die eher hochwertigen und auch hochpreisigen Kameras.

Die Olympus OM-1 war 1972 die Sensation auf der Photokina. Sie ist eine mechanisch gesteuerte Spiegelreflexkamera mit Nachführbelichtungsmessung und echter Kreuzkupplung von Blende und Zeit. Der Chefkonstrukteur für Kleinbildkameras von Olympus, [Maitani] wollte damals eine neue SLR bauen mit halbem Gewicht und ein Drittel kleiner als die damaligen Profi-Spiegelreflexkameras. Dies ist ihm mit vielen genialen Lösungen gelungen. So wurde zum Beispiel das Spiegelprisma tiefergelegt, das Alu-Druckgussgehäuse an vielen Stellen dünner gemacht. Es wurde ein Tuchschlitzverschluss mit Luftdämpfung und mit Kugellagern gebaut und eine sehr helle Einstellscheibe. Der Spiegelschlag dieser Kameras ist deshalb geringer, der mechanische Ablauf geschmeidiger als bei anderen Kameras damals. Der Zeitenring wurde aus ergonomischen Gründen um das Bajonett gelegt - so hat man am Objektiv vorne den Blendenring, dann den Ring für die Entfernungseinstellung, dann an der Kamera den Zeitenring. Bajonett und Spiegelkasten wurden extra groß dimensioniert.

Hier einige technische Daten der OM-1: Gewicht 540 gr ohne Objektiv - zeitloses Metallgehäuse - gebaut für 100 000 Auslösungen (also Profikamera)- Verschluss von 1sec bis 1/1000 sec und B - Messbatterie 1.35 Volt Quecksilber (heute nimmt man die 1.4 Volt Hörgerätebatterie oder die WeinCell in Originalgrösse und Luft-Zinktechnik)- auswechselbare Sucherscheiben - Anschluss für Winder und Motorantrieb (2.5B/s und mit hochgeklapptem Spiegel 5B/s)- Preis damals mit Objektiv Zuiko 1.8/50 unter 1000 DM, später in den 80er Jahren um die 700 DM. Der Gebrauchtpreis liegt heute bei 130 Euro. Das Nachfolgemodell OM-1n wurde ab 1979 bis etwa Mitte der 80er Jahre gebaut. Keine andere Kamera wurde so lange praktisch unverändert gebaut!

Im Jahr 1975 kam das damalige Spitzenmodell der OM-Baureihe, die OM-2 heraus. Sie ist eine elektronisch gesteuerte Kamera mit ADM (autodynamische Messung des Lichts auf dem Schlitzverschlussvorhang)und mit der Möglichkeit der TTL-Blitzmessung. Diese sensationelle Kamera konnte Langzeitbelichtungen von mehr als 3 Minuten durchführen mit Hilfe der erstmals in eine Kamera eingebauten ADM. Nach dem Auslösen etwa bei Nachtaufnahmen wurde von 2 SBC-Messzellen (silicon blue cell) das von der Filmoberfläche reflektierte Licht gemessen und der Verschluss solange offen gehalten bis das Bild belichtet war. Diese Belichtungsmessung konnte also auf Autoscheinwerfer oder auf ein während der Aufnahme eingeschaltetes Licht reagieren. Mit Olympus-Blitzgeräten der T-Reihe konnte ab 1979 mit der OM-2n (und dem Vorgängermodell 2 mit geändertem Blitzschuh) auch das von der Filmoberfläche reflektierte Blitzlicht durch die ADM gemessen werden. War der Blitz lange genug wurde er von der Kamera abgeschaltet (1/1000 sec - 1/40000 sec). Auch diese Funktion ist erstmalig in eine SLR eingebaut worden. Olympus hatte auch sehr ausgefeilte Makroblitzsysteme im Angebot.

Hier einige technische Daten der OM-2, 2n, 2SP: Gewicht etwa 510 gr - gleiches Gehäuse wie OM-1 bis 1983, dann geringe Änderung des Spiegelprismadeckels bei OM-4 und OM-2SP, natürlich sehr robust aus Millimeterblech (Dichtungen unter Gehäusekappe ab OM-4)- gebaut für 100 000 Auslösungen - Verschluss von mehreren Minuten bis 1/1000 sec (schaltet bei etwa 3 Minuten ab bei OM-2n und 2SP)- Anzeige durch Zeigernadel auf Zeitskala bei OM-2 und 2n, mit LCD-Balken auf Zeitskala bei OM-2SP und OM-4 - TTL-Blitzmessung - Betrieb mit 2 Silberoxidzellen SR44 - Autodynamische Messung und Steuerung in "auto" - auswechselbare Sucherscheiben - Anschluss für Winder und Motorantrieb (2.5B/s und 3.5B/s bei der OM-2SP, 4.5B/s bei der OM-2) Preis damals bei 1000 DM. Der Gebrauchpreis liegt bei 150 bis 200 Euro.

Die Belichtungsmessung der elektronisch gesteuerten Olympus-Kameras (OM-2, OM-2n, OM4, OM-2SP, OM-4Ti) unterscheidet sich gravierend von der Messung der Konkurrenzmodelle. Diese speichern den Belichtungswert beim halben Drücken des Auslösers und verwenden genau den angezeigten Messwert. Bei der ADM ist das ganz anders: im Sucher wird ein vorläufig gemessener Wert angezeigt, erst beim Auslösen, nach dem Hochklappen des Spiegels und dem Schließen der Blende auf den Arbeitswert, wird die eigentliche Messung auf dem Verschlussvorhang, bei Belichtungszeiten länger als 1/60 sec auf der Filmoberfläche, gemacht und der Verschluss entsprechend gesteuert. Die ADM-Olympus-SLR messen also bis zum letzten Sekundenbruchteil der Aufnahme!

Herausragende Modelle dieser Baureihe sind die OM-4 mit Multispotmessung und 1/2000s ab 1983 (ab 1986 ersetzt durch die OM-4Ti mit Titanoberkappe und Titanbodenkappe), die OM-2SP (Spot-Program) mit Spotmessung in der Betriebsart "manuell" und einer Programmsteuerung in "program". Auch die OM-40 hat "program" sowie "auto" (in diesen beiden Betriebsarten funktioniert die ADM)und eine spezielle Korrektur (ESP) bei starken Kontrasten wie etwa Gegenlicht oder sehr heller Bildmitte. Sie vergleicht die mittenbetonte Integralmessung mit dem Wert der Spotmessung und korrigiert entsprechend. Die einstelligen OM´s sind Profikameras, die zweistelligen OM´s aus der ersten Hälfte der 80er Jahre (OM-10, 20, 30, 40) sind etwas leichter gebaut (Plastikober- und Unterkappe) und mit eingeschränkten Funktionen, aber innen identisch mit den einstelligen Kameras. Meist ist der Zeitenbereich bei den langen Zeiten beschränkt auf eine oder zwei Sekunden. Die OM-40 hat als einzige der zweistelligen OM´s auch die TTL-Blitzsteuerung der Profikameras und den vorne umlaufenden Zeitenring.

Hier einige technische Daten der OM-40: Gewicht etwa 460 gr ohne Objektiv - Lebensdauer etwa 100 000 Auslösungen - ADM 2sec-1/1000sec bei "auto" - Zeitenring von B, 1sec-1/1000 in "manuell" - Zeitanzeige durch LED (sehr gut bei wenig Licht)- TTL-Blitzmessung in "auto" - 2 Silberoxidzellen SR44 (halten ein Jahr)- Sucherscheibe nicht auswechselbar - Winder und Motorantrieb mit 2.5B/s und 3.5B/s - Preis 1985 750 DM mit Objektiv. Der Gebrauchtpreis unter 80 Euro.

[Maitani] wollte nicht das ein Besitzer einer dieser Kameras ein Bild dadurch verliert, dass sie ausgeschaltet ist. Deshalb funktionieren auch die OM´s, die einen OFF-Schalter haben, sofort beim Drücken des Auslösers vollelektronisch. Der Trick ist, das beim Hochklappen des Rückschwingspiegels ein Mikro-Schalter die Elektronik einschaltet!

Die mechanischen OM´s wie die OM-1 und 1n sowie die OM-3 werden gerne in der Astrofotografie verwendet. Auch in der Makrofotografie und an Mikroskope angeschlossen. Sie wurden auch als Endoskopkameras verwendet (Olympus hat auch Mikroskope und Endoskope hergestellt).

Die elektronischen OM´s belichten auch heute noch sehr genau, haben ein helles Sucherbild, sind langzeitstabil und mit viel Spass einzusetzen für alle Bereiche der Fotografie.

Pentacon/Praktica

Praktica ist kein Hersteller sondern der Name von Kameras eines Unternehmens, welches im Laufe der Jahre verschiedene Namen hatte (im Zuge der Zusammenfassung in volkseigenen Betriebe und Großbetriebe und dessen Reprivatisierung 1990). Ursprünglich wurden unter dem Namen Praktiflex eine der ersten Spiegelreflexkameras der Welt produziert, ab 1949 unter dem Namen Praktica. Die Praktiflex war die erste Kamera mit M42-Gewinde, welches bis 1989 weiterhin bei Praktica-Kameras verwendet wurde. Ab 1979 wurde ein eigenes Bajonett eingeführt und dafür eine neue Kameralinie (B-Serie) geschaffen. Die Produktion der B-Kameras wurde nach der Wiedervereinigung und der Privatisierung des VEB Pentacon noch bis 2000 fortgeführt, dann allerdings nur noch ein Modell, teilweise in Sonderausführungen. Einige Praktica-Kameras bekamen Exportnamen wie Jenaflex und Kawenda und es gab auch OEM-Modelle für Hanimex und Porst.

Zum VEB Pentacon gehörten nicht nur die ehemaligen Kamerawerke Niedersedlitz (bei Dresden) mit ihren Praktica-Kameras sondern auch einige Contax-Modelle und später die Exakta/Exa-Spiegelreflexkameras. Zeitweilig gab es ausgesprochene Profisysteme namens Praktina und Pentacon Super mit jeweils nur einem Kameramodell.

Es hat auch eine Mittelformat-Kamera gegeben, die Pentacon Six. In den 90er Jahren wurde diese weiterentwickelt und als Exakta 66 vertrieben.

Durch den Wegfall der Profisysteme 1972 wurden nur noch Kameras für den Amateurbedarf gebaut. Bis in die 70er Jahre hinein wurden Weltneuheiten im Kamerabau vorgestellt, zum Beispiel die Belichtungsmessung bei Offenblende. In den 80er Jahren wurden jedoch nur noch Detailverbesserungen gemacht (wie die Einführung der TTL-Blitzbelichtungsmessung). Ein Autofokus-System hat es nicht gegeben.

Durch die fehlende Spitzenklasse und dem hohen Exportanteil in kapitslistische Länder stehen Praktica-Kameras unter dem Ruf, Billig-Kameras zu sein und sind auf dem Gebrauchtmarkt vergleichsweise günstig zu bekommen. Es gibt für sie viele günstige Zeiss-Festbrennweiten mit hervorragenden optischen Eigenschaften, jedoch kaum Spitzenklasse-Zoomobjektive. Möchte man spezielle Objektive, wie zum Beispiel Fisheyes oder Shiftobjektive haben, stößt man ebenfalls sehr schnell an die Grenzen des Systems.

Pentax

Das Pentax K-Bajonett findet sich nicht nur bei Pentax, sondern auch bei Ricoh und diversen Lizenzfertigungen (zum Beispiel Porst, Revue); dadurch ist dieses System recht verbreitet. Die langjährige Profikamera im System war die Pentax LX.

Sowohl Qualität als auch Preis von Kameras und Objektiven decken ein recht weites Spektrum ab. Objektive, die für Blenden- und Programmautomatik geeignet sind (PK-A), erkennt man am grünen "A" auf dem Blendenring.

Pentax hat -- im Gegensatz zu Minolta und Canon -- bei der Einführung von Autofokuskameras das Bajonett beibehalten; die Objektive sind kompatibel zu den Pentax-Kameras mit Autofokus; Autofokusobjektive können auch an älteren Kameras mit K-Bajonett verwendet werden, allerdings ohne automatische Fokussierung.

Die Preisstabilität von Markenartikeln (zum Beispiel SMC Pentax) ist durchschnittlich, Lizenzfertigungen von Porst und Revue können dagegen sehr preiswert auf dem Gebrauchtwarenmarkt erworben werden.

Während sich die Pentax Kleinbildkameras nie recht im Profisegment durchsetzen konnten, hat Pentax im Mittelformatbereich mit der relativ handlichen Pentax 67 und der 645-Baureihe zahlreiche treue Kunden.

Ricoh

Ricoh ist ein japanischer Hersteller, der schon seit 1938 Kleinbildkameras fertigt, damals noch mit dem seinerzeit üblichen M39-Schraubgewinde. Später folgte bei den Spiegelreflexkameras das damals übliche M42- Schraubgewinde als Objektivanschluss.

Sigma

Sigma produziert eine kleine Reihe von analogen Kleinbild-SLR-Kameras (SA-5, SA-7, SA-9 u.a.) sowie seit Anfang 2002 auch digitale SLR-Kameras. Die dazu gehörenden Wechselobjektive fertigt Sigma selbst, ergänzend produziert Sigma auch Blitzgeräte. Es existiert der Grundstock für ein kleines Kamerasystem, das zwar technologisch interessant ist, jedoch am Markt bisher keine größere Bedeutung hat und deren Kontinuität nicht gewährleistet ist.

Yashica

Yashica gehört, ebenso wie Contax, zur Kyocera-Unternehmensgruppe. Im Spiegelreflex-Bereich verfügt Yashica über kein ausgebautes Kamerasystem, eine Palette mit Objektiven und Zubehör ist jedoch verfügbar.

Die manuell zu fokussierenden Kameras verwenden dasselbe Bajonett wie auch Contax. Kameras und Objektive der beiden Firmen lassen sich daher kombinieren. Bei den Yashica-Kameras gibt es einige günstige Modelle, die als Alternative zu den teuren Contax-Gehäusen betrachtet werden können, da man Zugriff auf die hochwertigen Carl Zeiss-Objektive erhält.

Es gibt auch einige Yashica-Kameras mit Autofokus, die aber nur geringen Marktanteil haben.

Die Objektive haben zumeist durchschnittliche Qualität, zumindest fallen sie in Vergleichstests der einschlägigen Fotozeitschriften selten auf; die meisten Modelle sind vergleichsweise günstig.

Sammler zeigen wenig Interesse an Kameras von Yashica, die Wertstabilität ist daher eher gering; einige Modelle sind jedoch auf Fotobörsen sehr günstig zu bekommen.

Weitere Anbieter

Zu den weiteren Anbietern von Kamerasystemen zählen:

Siehe auch




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