Kleinbildkamera

Kleinbildkameras (oder kurz KB-Kameras) sind eine Bauform fotografischer Kameras, die nach dem verwendeten Filmformat unterschieden wird; sie verwenden zur Bildaufzeichnung einen Kleinbildfilm im Format 24 x 36 mm, der direkt vom Kinofilm ökonomisch günstig (zur Pressefotographie) zur Verfügung stand; einige Modelle nutzen das sog. Halbformat von 24 x 18 mm wie auch verschiedene Panoramaformate um 24 x 70 mm.

Kleinbildfilm ist, wie auch Rollfilm, auf einer Spule aufgewickelt und ermöglicht das Belichten von 24-36 oder mehr Aufnahmen auf einem Filmstreifen. Im Gegensatz zu Mittelformatkameras verfügen KB-Kameras i.d.R. nicht über Wechselmagazine; ein Wechsel des Filmtyps ist zwar möglich (manuell unter geringem Materialverlust oder mit einer sog. Mid-Reload-Funktion der Kamera), jedoch recht umständlich und nicht immer risikolos.

KB-Kameras bieten prinzipbedingt die schnellsten und am längsten dauernden Aufnahmefolgen sowie, verglichen mit Mittelformat- und Großformatkameras, die geringsten laufenden Kosten. Da KB-Filmpatronen relativ kompakt sind, benötigen sie auch den geringsten Platzbedarf unter den verbreiteten Systemen.

Kleinbildkameras werden in unterschiedlichen Bauformen angeboten; verbreitet sind vor allem die Spiegelreflexkamera sowie Sucher- bzw. Kompaktkameras.

Inhaltsverzeichnis

Spiegelreflexkameras

(SLR-Kameras; engl., Single Lens Reflex).

KB-SLR-Kameras (einäugige Spiegelreflexkameras) basieren auf einem Pentaprismensucher, der das Bild seitenrichtig darstellt; moderne KB-SLR-Kameras sind mit einer TTL-Belichtungsmessung (engl., Through the lens) ausgestattet.

Sie sind i.d.R. in ein Kamerasystem eingebettet und verfügen über eine mehr oder minder große Palette an Wechselobjektiven aus einem Bereich zwischen etwa 6mm und 2000mm; für KB-SLR-Kameras sind hochlichtstarke Objektive mit einer Lichtstärke von 1:1,4 und besser erhältlich.

Das Systemzubehör umfasst meist auswechselbare Einstellscheiben und Sucher, Winder und Motorantriebe, Hochformatgriffe, Daten- und Digitalrückwände, Sofortbildansätze, IR-, Fern- und Funkauslöser, Blitzgeräte u.a.

Kameras dieses Bautyps ermöglichen die wohl flexibelste Fotografie und bieten ein optimales Preis-Leistungsverhältnis bei hoher Bildqualität.

KB-SLR-Kameras tendieren allerdings aufgrund ihrer Komplexität und ihres Gewichts dazu, nicht immer dann zur Hand zu sein, wenn man sie benötigt; man hat die erforderliche Brennweite nicht dabei oder besitzt ein bisher nicht benötigtes Zubehör gar nicht. Außerdem können Spezialfunktionen moderner AF-Kameras rätselhaft bleiben, wenn man das Handbuch zu Hause vergessen hat.

Sucherkameras und Kompaktkameras

thumb|100px|Minox 35 GT, eine <em>sehr</em> kompakte Sucherkamera Kompaktkameras für das KB-Format sind i.d.R. weniger flexibel als KB-SLR-Kameras, verfügen nur über wenig oder gar kein Systemzubehör, es können meist keine Wechselobjektive genutzt werden und als Alternativen stehen im günstigsten Falle ein weiter Zoombereich oder ein Brennweitenkonverter zur Verfügung. Spezielle fotografische Anwendungen wie Studio-, Astro-, Mikro- und Makrofotografie sind kaum sinnvoll mit Kompaktkameras zu bewältigen, und die erzielbare (technische) Bildqualität ist deutlich geringer als bei KB-SLR-Kameras.

Der Sucherausschnitt entspricht aufgrund der Parallaxe nie exakt dem auf dem Film aufgezeichneten Bild, und optische 100%-Sucher sind technisch nicht realisierbar. Kompaktkameras weisen jedoch andere (wichtige) Vorteile auf: Sie sind im Vergleich preiswert, relativ unauffällig, einfach zu bedienen und wiegen wenig. Dieser Kameratyp ist seit Jahrzehnten der wirtschaftlich erfolgreichste Typ von Kameras.

Kompaktkameras tendieren dazu, eher zur Hand zu sein, wenn man sie benötigt, ein Verlust (Diebstahl) oder eine Beschädigung schmerzen ob des geringen Preises meist weniger als der einer SLR-Ausrüstung, daher nutzt man sie meist häufiger und unbeschwerter.

Einen Sonderfall bilden Sucherkameras wie die "M-"Serie von Leica oder einige Modelle von Voigtländer; sie sind in ein Kamerasystem eingebettet und verfügen über eine große Palette an Wechselobjektiven. Sie sind vor allem leise, da es beim Auslösen keinen Spiegelschlag gibt, jedoch erheblich teurer, weniger komfortabel und wiegen meist deutlich mehr als Kompaktkameras.

Für einen ambitionierten Fotografen wird sich meist keine Entscheidung stellen zwischen KB-SLR- oder Kompaktkamera; die meisten leidenschaftlichen Fotografen besitzen und nutzen beide Bauformen. Eine SLR-Ausrüstung benötigt man hauptsächlich für anspruchsvolle Aufgaben (Wechselbrennweiten für Portrait- und Reisefotografie), Spezialanwendungen (Nahlinsen, Adapter und Balgengeräte für die Astro-, Mikro- und Makrofotografie) oder Studiofotografie (Blitzsynchronanschluss) und eine Kompaktkamera ("Knipse") zum Immer-dabei-haben. Eine Kombination aus KB-SLR- und KB-Kompaktkamera ist auch grundsätzlich sinnvoll, da das Filmmaterial in beiden Kameras eingesetzt werden und sich ergänzen kann (niedrigempfindlicher Film in der SLR, hochempfindlicher Film in der "Knipse").

Anbieter

Zu den Anbietern von Kleinbildkameras zählen u.a. die drei Marktführer Canon, Nikon und Minolta sowie Olympus, Pentax, Sigma und Leica. Spezielle Kameramodelle bieten u.a. Nikon (Unterwasserkameras der Modellreihe Nikonos), Lomo (unkonventionelle Kameras, die eine eigene Bildsprache provozieren) sowie Hasselblad (KB-Panoramakamamera XPan).

Geschichte und Entwicklung

In der langen Entwicklungszeit der fotografischen Kamera wurden aus den mehrere Kilogramm schweren, unförmigen Fotokästen der fotografischen Frühzeit immer kleinere, leichtere und komfortablere Kameras.

Für diese Entwicklung gab es drei entscheidende Einflüsse:

Vorläufer der Kleinbildkameras waren die so genannten Handkameras wie die Detektivkamera von Thomas Bolas (1881) und die Kodak Nr. 1 von George Eastman (1888).

Als erste Kleinbildkamera nach heutiger Definition entwickelte Oskar Barnack, einem Mitarbeiter der optischen Werke Ernst Leitz in Wetzlar, die Leica ("Leitz Camera"). Barnack hatte die Kamera seit 1913 entwickelt und stellte sie erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 der Öffentlichkeit vor.

Die Leica nutzte Edisons 35-mm-Kinofilm mit Perforation als günstiges Standardmaterial. Wie der Name "Kleinbild" besagt, waren damals breitere Filme üblich, die größere Kameras erfordern. Barnack setzte auf die Verbesserung des Filmmaterials, mit der das "kleine" Format auch für den anspruchsvollen Amateur genügen sollte. Manche Kritiker beklagten den Verlust von nutzbarer Filmfläche durch die Perforation. Die Perforation ermöglicht jedoch eine einfache und sichere Transportmechanik, der vergleichsweise breite Rand sorgt für eine gute Planlage des Films die der Bildqualität zu gute kommt.

Der Film wurde gegenüber der Kinokamera um 90 Grad gedreht, so dass er in der Leica von links nach rechts transportiert wird. Barnack fasste zwei Kinobilder zu einem Kleinbild zusammen, womit sich das Negativformat von 24x36 Millimetern ergab, ein Standard, der bis heute gültig ist. Das originale Kinoformat wird in der Fotografie als Halbformat bezeichnet (18x24 mm).

1933 wurde die erste Spiegelreflexkamera für das Kleinbildformat konstruiert. Die ebenfalls noch heute üblichen Filmpatronen wurden 1936 von der IG Farben entwickelt. Halbformatkameras können dieselben Filmpatronen verwenden wie Kleinbildkameras.

Literatur



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