Kontextualisierte Fotografie

Als kontextualisierte oder Konstruierende Fotografie bezeichnet man die Rekontextualisierung einer Fotografie, als das Aufheben der für das fotografische Bild charakteristischen Dekontextualisierung.

Die Wiederherstellung des Kontextes einer Fotografie kann durch eine Reportage, ein fotografisches Essay oder eine Ausstellung erfolgen; dabei wird das Einzelbild wieder in den Zusammenhang mit beschreibenden Texten oder anderen Bildern gestellt.

Bei dieser Aussagenstiftung und Formgebung bei der Rezeption des Bildes kann die ursprüngliche Bildaussage rekonstruiert oder sogar verstärkt werden, ebenso kann diese verzerrt oder vollständung ins Gegenteil verzerrt werden. Aufgrund der starken kognitiven Wirkung von Bildern werden diese meist unreflektiert als Evidenzbeweise akzeptiert.

Die besondere Bedeutung der Kontextualisierung liegt darin, dass "durch die "Bilderschwemme" in nahezu allen Bereichen öffentlicher Kommunikation jede Form von rationaler Argumentation durch überwältigende und deshalb sehr riskante Evidenzerlebnisse erstzt wird" (Brock, Quid tum – Was folgt aus dem iconic turn?, 2004).

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Beispiele

Ein bekanntes Beispiel für eine (De-/Re-) Kontextualisierung ist die Bildberichterstattung über das Lager von Trnopolje, die 1992 im Fernsehen und in den Zeitungen erschien. Die Bilder des britischen Fernsehteams des Fernsehsenders ITN zeigten Kriegsgefangene hinter einem Stacheldrahtzaun; die emotional aufgeladenen Bilder weckten Assoziationen mit Konzentrationslagern aus dem Dritten Reich und lösten einen Krieg – den Bosnienkrieg – aus.

1997 entstanden Zweifel an der Authentizität der Bildaussage, als durch Recherchen des Novo-Redakteurs Thomas Deichmann bekannt wurde, dass die Bilder nicht bosnische Muslime hinter, sondern vor einem Stacheldrahtzaun zeigten; nicht die gezeigten Menschen waren eingesperrt, sondern das ITN-Team filmte aus einer Stacheldrahtumzäunung heraus. Um das Lager Trnopolje herum hat es nie einen Stacheldraht gegeben.

Die Auswahl und Art der Präsentation der Reportagebilder waren also eine eindeutige Manipulation, die über mehrere Jahr hinweg als "Beleg für die Existenz naziähnlicher Vernichtungslager akzeptiert worden waren" (Horn).

Siehe auch

Literatur

Zur Bildberichterstattung über das Lager Trnopolje:

Weblinks




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