Motorantrieb

Der Motorantrieb (international, englisch: motor drive oder winder) ist bei einem Fotoapparat eine Vorrichtung zum automatischen Filmtransport und ersetzt dadurch den manuellen Transporthebel.

Funktionsweise

Motorantriebe erlauben zumindest zwei Betriebsarten: Serienbild und Einzelbild. Bei Serienbild schießt die Kamera solange Fotos, wie der Auslöser gedrückt ist. Bei speziellen Kameras kann so ein Film mit 36 Aufnahmen in unter 4 Sekunden verbraucht werden. Normale Motoren schaffen aber "nur" 3-5 Bilder die Sekunde. Motoren, die "nur" 2 Bilder in der Sekunde transportieren können, nennt man auch Winder. Schnelle Motoren bieten dann oft noch eine Unterteilung des Serienbildmodus in verschiedene Bildfrequenzen (langsam und schnell). Einigen Kameras können bei hochgeklapptem Spiegel noch zusätzlich Reserven entlockt werden, was die maximale Bildfrequenz angeht.

Beim Einzelbild-Modus transportiert die Kamera den Film nach der Aufnahme nur um ein Bild weiter, auch wenn der Auslöser gedrückt bleibt. Wird der Serienbild-Modus zum Beispiel von Sportfotografen gebraucht, findet der Einzelbild-Modus oft in der Portraitfotografie Einsatz, um stets einen sog. Nachschuss machen zu können, welches oft das bessere Foto ist, weil das Modell entspannter (und damit natürlicher) schaut.

Da Digitalkameras keinen Film benötigen, haben sie natürlich auch keinen Motorantrieb. Hier dienen Motoren nur noch für den Autofokus und das Zoomen mit der Zoomwippe.

Geschichte und Entwicklung

Der erste Motor in einer Kleinbild-Kamera wurde 1936 für die Leica vorgestellt. Er besaß ein mechanisches Federwerk, kam also ohne Strom aus. Der erste elektrische Motorantrieb wurde 1957 für die Nikon S-Serie (Messucherkameras) vorgestellt. Das war der S-36, welcher als F-36 für die Spiegelreflexkamera Nikon F ebendiese zu der Profikamera ihrer Zeit machte. Dieser Motor war es, der alle anderen Hersteller veranlasste, auch elektrische Motoren für ihre Kameras zu bauen.

Mit der weiteren Entwicklung der Elektronik wurde der elektrische Motor später nicht mehr mechanisch gesteuert (durch den Auslöser), sondern "wusste" durch die elektronisch gesteuerte Verschlussmechanik, wann er den Film frühestens weiter transportieren darf. Vorher musste der Fotograf bei längeren Verschlusszeiten bedenken, dass die Motor-Frequenz nicht mit der Verschlussmechanik in Konflikt gerät und die Mechanik der Kamera beschädigt.

Mit Einführung der Autofokus-Spiegelreflexkameras Ende der 1980er Jahre (insbesondere Minolta 7000) besaß die Kamera einen zweiten Motor für die Scharfstellung des Objektivs. Wurden die Motoren vorher als Zubehörteil unten an die Kamera angeschraubt (über das Stativgewinde und eine Transportkupplung), wanderten sie nun als fester Bestandteil in das Kameragehäuse. Diese Kameras besaßen dann keine Möglichkeit mehr, den Film manuell zu transportieren.

Siehe auch



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