Nachtaufnahmen bilden eine besonders schwierige Gruppe von fotografischen Aufnahmen. Aus technischer Sicht sind auch die meisten Fotografien von Sonnenuntergänge zu den Nachtaufnahmen zu zählen. Verglichen mit anderen fotografischen Genres kennzeichnen Nachtaufnahmen folgende Merkmale, die auftreten können, aber nicht alle müssen:
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Bei Nachtaufnahmen sind einige Besonderheiten zu beachten, die sonst nicht oder weniger intensiv auftreten:
Gerade bei Nachtaufnahmen erreicht man oft enttäuschende Ergebnisse, weil das fertige Bild nicht die Stimmung wiedergibt, die man selbst erlebt hat. Dies betrifft insbesondere Farbtemperatur und Filmkorn bzw. Rauschen sowie Bildunschärfen wegen der sehr langen Belichtungszeiten.
Dabei ist es unerheblich ob man analog oder digital fotografiert: Es gibt sowohl hochempfindliche Filme als auch ebenso lichtempfindliche Digitalsensoren (handelsüblich derzeit bis ISO 3200/36° ohne Push-Entwicklung). Außer im Spezialfall der Available-Light-Fotografie wird man für Nachtaufnahmen meist jedoch aufgrund der höheren Farbsättigung und des geringeren Korns niedrigempfindliche Filme einsetzen; dabei muss allerdings der Schwarzschildeffekt in der Belichtungszeit kompensiert werden.
Aufgrund der Fähigkeit der menschlichen Wahrnehmung zur chromatischen Adaption können Menschen die exakte Farbtemperatur einer Lichtquelle nicht objektiv beurteilen; die subjektiv wahrgenommene Farbstimmung weicht darüber hinaus auch von der Sensibilisierung der fotografischen Emulsion bzw. vom automatischen Weißabgleich der Kamera ab, da diese auf standardisierte "Normalbedingungen" eingestellt sind; bei Nachtaufnahmen kommt in der Praxis häufig noch als zusätzliche Problematik das Mischlicht aus Lichtquellen unterschiedlicher Farbtemperatur hinzu.
Objektivieren kann man diese Effekte nur mit Hilfe eines fotometrischen Belichtungsmessers (z.B. Gossen Mastersix in Verbindung mit Vorsatzgerät PROFi-color), wobei allerdings für exakte Messungen eine Lichtintensität von mindestens 10 Lux erforderlich ist (etwa 60-Watt-Glühbirne auf 1,5 Meter Entfernung in einem abgedunkelten Raum). Gerade unter den Bedingungen einer Nachtaufnahme wird es also für den Fotoamateur schwierig, die Lichtisituation objektiv zu bestimmen. Faustregeln gibt es leider nicht, mit ein wenig Erfahrung und einer Farbtemperaturtabelle lassen sich jedoch die Wirkungen von Kunstlicht auf fotografische Emulsionen oder digitale Sensoren recht gut abschätzen.
Die grobe Körnung eines fotografischen Films wird von manchen Fotografen gerne in Kauf genommen und als Effekt bewusst eingesetzt; legt man jedoch Wert auf eine feine Körnung und hohe Kantenschärfe, sollten Filme mit Empfindlichkeiten über ISO 200/24° unbedingt vermieden werden. Eine höhere Präzision der Belichtung erzielt man mit Diafilmen, während Negativfilme einen höheren Belichtungsspielraum bieten. Spezialfilme ie z.B. 'KODAK PROFESSIONAL EKTAPRESS Film PJ800' können bis 6400 ASA belichtet werden und haben dabei eine noch akzeptable Körnung die mit herkömmlichen 400 ASA Filmen vergleichbar ist. Allerdings sind solche Filme und deren Entwicklung sehr teuer.
In der Digitalfotografie weisen nahezu alle aktuellen Kameramodelle ein Dunkelrauschen auf, das teilweise durch Algorithmen der Kameraelektronik kompensiert – oder auch verschlimmert – wird. Zu den besten Ergebnissen gelangt man mit Empfindlichkeiteinstellungen um 100 ASA in Verbindung mit dem jeweiligen Rohdatenformat der Kamera; hierbei ist zu beachten, dass Canon selbst im Canon Raw-Format (.crw eine Schärfung vornimmt, während Minolta (Minolta Raw, .mrw/.mdc) dem Fotografen die volle Kontrolle überlässt.
Das Rohdatenbild lässt sich dann bei der Bildbearbeitung mit speziellen Hilfsprogrammen wie Noise Ninja (Review (http://www.luminous-landscape.com/reviews/software/noise-ninja.shtml)) oder Neatimage (Review 1 (http://www.luminous-landscape.com/reviews/software/neatimage.shtml), Review 2 (http://www.michaelalmond.com/Articles/noise.htm)) gezielt entrauschen und beispielsweise mit Photokit Sharpener (Review (http://www.luminous-landscape.com/reviews/software/pk-sharpener.shtml)) oder FocalBlade (Review (http://www.luminous-landscape.com/reviews/software/focalblade.shtml)) nachschärfen.
Die folgenden Bilder wurden mit verschiedenster Aufnahmetechnik angefertigt und zeigen einige der vorher beschriebenen Effekte:
Aufnahmetechnik:
Obwohl die Kamera an eine Laterne gedrückt wurde, ist das Bild insgesamt unscharf, bei den Menschen erscheint unabwendbar Bewegungsunschärfe.
Aufnahmetechnik:
Der Farbstich fällt besonders im rechten Bildteil auf. Das gesamte Bild wirkt wesentlich wärmer als es original der Fall war. Die Beleuchtung der Burg erfolgt mit wärmeren Lampen als die Straßenbeleuchtung. Die Lampen wirken zwar warmer, als sie in der Aufnahmesituation wahrgenommen wurden, dies wird aber im fertigen Bild meist als angenehm empfunden.
Aufnahmetechnik:
Den Lichthof kann man bei allen im Bild sichtbaren Lichtquellen beobachten, besonders in der unteren Bildmitte und rechts beim roten Licht. Selbst die angestrahlten Blätter links oben überstrahlen.
Aufnahmetechnik:
Das Originalbild gibt die (physikalisch) korrekten Farben wieder. Es wirkt etwas kraftlos, das Ergebnis ist nicht unbedingt befriedigend. Durch gezielte Farbkorrekturen am Computer können die eigentlich wirklich gesehenen Stimmung bzw. eine übertriebene, kitschige Postkartenatmosphäre erreicht werden (Bilder 2 und 3).
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Für Nachtaufnahmen ist sehr preiswerte Fototechnik nur bedingt geeignet. Die Kamera muß abschaltbares Blitzgerät besitzen und möglichst über ein Stativgewinde verfügen; bei Analogkameras sollte die Filmempfindlichkeit manuell einstellbar sein bzw. bei Digitalkameras eine manuelle Empfindlichkeitswahl möglich sein.
Als Notlösung kann man bei preiswerten Kameras den Blitz abdecken und darauf hoffen, dass die Kameraelektronik den Rest macht. Empfehlenswert ist der Belichtungsmodus 'manuell' sowie manuelle Entfernungseinstellung, da einige Autofokus-Systeme oft Probleme bei wenig Licht bereiten.
Lichtstarke Wechselobjektive unterstützen die Arbeit, da diese die manuelle Fokussierung mittels der Mattscheibe vereinfachen, sie sind aber nicht zwingend erforderlich.