Parallaxe

Als Parallaxe (griech. Vertauschung) bezeichnet man die scheinbare Änderung der Position eines beobachteten Objektes durch eine Verschiebung der Position des Beobachters.

Hält man zum Beispiel die Hand vor sich und betrachtet sie abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge, so verschiebt sich das Bild der Hand vor dem entfernteren Hintergrund. Die Parallaxe ist gleich dem Winkel, unter dem die Basislinie zwischen den beiden Betrachtungsorten vom beobachteten Objekt aus erscheint. Bei festem Winkel zwischen Basislinie und der Richtung zum Objekt ist die Parallaxe umso größer, je näher das beobachtete Objekt und je länger die Basislinie ist.

Aufgrund der Parallaxe lassen sich Entfernungen abschätzen (Grundlage des räumlichen Sehens) oder mittels technischer Hilfsmittel berechnen.

Inhaltsverzeichnis

Parallaxe in der Astronomie

Tägliche Parallaxe, Höhenparallaxe

Im Sonnensystem kann der Erdradius als Basislinie dienen. Eine Parallaxe entsteht zwischen verschiedenen Beobachtungsorten auf der Erdkugel. Von einem festen Standort aus entsteht eine Parallaxe durch die Drehung der Erde zwischen verschiedenen Beobachtungszeitpunkten. Das Prinzip der Parallaxe liegt der historisch wichtigen Entfernungsbestimmung im Sonnensystem bei Venusdurchgängen zugrunde.

Jährliche Parallaxe, Sternparallaxe

Die Parallaxe wird zur Entfernungsmessung sonnennaher Sterne eingesetzt. Als Basislinie dient die Verschiebung der Erde beim jährlichen Umlauf um die Sonne. Die jährliche Parallaxe ist der Winkel, unter dem die große Halbachse der Erdbahn vom Stern aus erscheint. Beträgt die Parallaxe eine Bogensekunde (1/3600 eines Grades) so entspricht das einer Entfernung von 3,26 Lichtjahren oder rund 31 Billionen Kilometern. Diese Entfernung wird auch als Parsec (parallax arcsecond) bezeichnet.

Die Parallaxe ist selbst bei nahen Fixsternen so klein, dass man sie lange nicht beobachten konnte. Dies wurde in der frühen Neuzeit als wichtigstes wissenschaftliches Argument gegen das neue heliozentrische Weltbild ins Feld geführt. Auf der Suche nach der Parallaxe wurde zunächst ein völlig anderer Effekt, die Aberration entdeckt. Erst 1838 gelang Friedrich Wilhelm Bessel die Parallaxenmessung am Stern 61 Cygni. Selbst beim sonnennächsten Stern Proxima Centauri ist die Parallaxe nur 0,772 Bogensekunden. In den 1990ern gelangen mit dem Astrometriesatelliten HIPPARCOS genaue Parallaxenmessungen für viele Sterne.


bild:ParallaxeV2.png

Prinzip der Sternparallaxe. Durch die jährliche Bewegung der Erde um die Sonne verschiebt sich ein naher Stern vor dem entfernten Hintergrund. Verschiebung stark übertrieben.


Sternstromparallaxe

Bei sich gemeinsam bewegenden Gruppen von Sternen wie den Hyaden ist eine der Parallaxe verwandte rein geometrische Entfernungsbestimung möglich. Dabei dient die über Jahre akkumulierte Bewegung dieses 'Sternstroms' als Basislinie. Dazu müssen die Radialgeschwindigkeit und die Eigenbewegung des Sternstroms bekannt sein, sowie der Konvergenzpunkt am Himmel in dem die Bahnen seiner Sterne scheinbar zusammenlaufen.

Parallaxe im Sinne von Entfernung

Im älteren Sprachgebrauch der Astronomie wurde Parallaxe auch im allgemeinen Sinne von Entfernung benutzt. Dies galt auch dann wenn die Entfernungsbestimmung andere, z.B. photometrische Verfahren nutzte.



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