Schlitzverschluss

Der Schlitzverschluss (engl. focal plane shutter) ist – neben dem Zentralverschluss – eines der zwei im Fotoapparatebau gebräuchlichen Konstruktionsprinzipien für den Verschluss . Der Schlitzverschluss befindet sich unmittelbar vor dem Film oder CCD-Modul im Kameragehäuse.

Funktionsweise

thumb|Schlitzverschluss bei langen Verschlusszeiten Der Schlitzverschluss wird durch zwei Jalousien, auch Verschlussvorhänge genannt, gebildet. Die Vorhänge bewegen sich je nach Konstruktion entweder beide waagerecht oder beide senkrecht. Nach der Auslösung, öffnet sich der erste Vorhang und gibt den Film zur Belichtung frei. Ist die gewünschte Belichtungszeit erreicht, deckt der zweite Vorhang den Film wieder ab, indem er dem ersten Vorhang in der Bewegung folgt. Bei kurzen Belichtungszeiten folgt der zweite Vorhang so schnell dem ersten Vorhang, dass zu keinem Zeitpunkt das komplette Bild zur Belichtung freigegeben wird. Vielmehr bewegt sich ein aus beiden Vorhängen gebildeter Schlitz über das Bild.

Für die Jalousien wurde sehr unterschiedliches Material verwendet, wie zum Beispiel Gummi oder Metalllamellen. Ein Schlitzverschluss mit Metalllamellen ermöglicht kürzere Belichtungszeiten. Bei den ersten Ausführungen der Exa hatte der Spiegel die Funktion des ersten Vorhanges (Klappverschluss). Dadurch war allerdings die Belichtungszeit auf 1/125 s begrenzt.

Die Bildung der Belichtungszeit erfolgt mechanisch oder elektronisch.

Vor- und Nachteile

thumb|Schlitzverschluss bei kurzen Verschlusszeiten Gegenüber dem Zentralverschluss ist der Schlitzverschluss besser geeignet, um sehr kurze Belichtungszeiten zu realisieren. Spiegelreflexkameras erreichen Verschlusszeiten von 1/8000 Sekunden und kürzer. Bei kurzen Belichtungszeiten wird der Film immer gleichmäßig belichtet. Beim Zentralverschluss kann es bei nicht optimaler Position im Strahlengang zu geringerer Belichtung am Bildrand kommen.

Bei schnell bewegten Objekten und kurzen Verschlusszeiten führt die Tatsache, dass nicht die gesamte Bildfläche auf einmal belichtet wird, sondern der Schlitz über das Bild wandert, zu geometrischen Verzerrungen.

Für Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven hat sich der Schlitzverschluss durchgesetzt. Für optimale Ergebnisse müsste ein Zentralverschluss in das Objektiv integriert werden, was die Herstellung erheblich verteuert. Der Film muss außerdem während des Objektivwechsels abgedeckt bleiben, was bei einem Zentralverschluss im Wechselobjektiv wiederum zusätzlichen Aufwand bedeutet. Ein Schlitzverschluss kann in das Kameragehäuse integriert werden, ohne den Brennweitenbereich am unteren Ende zu beschränken.

Bei der Voigtländer Bessamatic (Kleinbild Spiegelreflexkamera mit Zentralverschluss und Wechselobjektiven, gebaut 1958-69) war der Zentralverschluss im Kameragehäuse integriert und hat die kürzeste Brennweite der Objektive auf 35mm begrenzt. Bei konkurriernden Produkten (Zeiss Contaflex, frühe Kodak Retina Reflex) musste sogar der hintere Teil der Optik samt Verschluss am Gehäuse verbleiben.

Verwendung von Blitzlicht


Problematisch erweist sich der Schlitzverschluss bei Blitzaufnahmen mit kurzer Belichtungsdauer. Jede Kamera mit Schlitzverschluss hat eine bestimmte kürzeste Blitzsynchronzeit, die typischerweise zwischen 1/90 und 1/250 Sekunden liegt. Wird dieser kameraabhängige Wert unterschritten, gibt es keinen Zeitpunkt, zu dem das gesamte Bild auf einmal belichtet wird. Da die Leuchtdauer eines Blitzlichtes wesentlich kürzer ist, ist es nicht möglich mit einem einzigen Blitz ein Bild gleichmäßig auszuleuchten, wenn die Verschlusszeit die kürzeste Blitzsynchronzeit unterschreitet. Einige Blitzgeräte sind in der Lage stroboskopartig eine schnelle Folge von Blitzen abzugeben, so dass auch kürzere Belichtungszeiten mit Blitz möglich sind.

Belichtungszeiten, die länger als die kürzeste Blitzsynchronzeit sind, bereiten keine Probleme bei der Blitzlichtverwendung. Bein manchen Kameras lässt sich wählen, ob der Blitz mit dem ersten oder mit dem zweiten Verschlussvorhang synchronisiert ausgelöst wird. Die Synchronisation mit dem zweiten Verschlussvorhang erzeugt bei der Ablichtung beweglicher Objekte einen Schweif, der die Bewegung betont. Synchronisation mit dem ersten Verschlussvorhang erzeugt ebenfalls einen Schweif, der jedoch subjektiv in die falsche Richtung zu zeigen scheint.



en:focal plane shutter


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