Stillleben

thumb|Blumenvase Jan David de Hem

Unter Stillleben (zusammengesetzt aus stilles + Leben; vgl. holländ. Stilleven, engl. Still-life, franz. Nature morte, ital. Riposo) versteht man einen Zweig der Malerei, welcher die Darstellung lebloser Gegenstände, wie toter Tiere (Wild, Geflügel und Fische), Haus-, Küchen- und Tischgeräte, Früchte, Blumen, Kostbarkeiten, Raritäten etc., zum Gegenstand hat. Diese Malerei versucht besonders durch ein geschicktes Arrangement, durch koloristische Reize und feine Beleuchtung zu wirken.
Seit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert wurde das Stillleben auch in diesem Kunstgenre zu einem klassischen Thema. thumb|right|300px|Francisco de Zurbarán: Stillleben mit verschiedenen Vasen (Öl auf Leinwand, 1636)

thumb|Blumenvase Jan David de Hem thumb|right|300px|Francisco de Zurbarán: Stillleben mit verschiedenen Vasen (Öl auf Leinwand, 1636)

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

Schon im Altertum entwickelte sich das Stillleben seit der alexandrinischen Zeit zu größter Blüte, wofür die pompejanischen Wandbilder noch zahlreiche Beispiele liefern.
Die Malerei der Renaissance behandelte das Stillleben nicht als eine selbständige Gattung der Malerei. Seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts wurde es jedoch von den niederländischen Malern in großem Umfang kultiviert und zur höchsten Virtuosität entwickelt. Dabei sind zwei Richtungen zu unterscheiden, deren eine nach glänzender koloristischer Wirkung bei einer mehr aufs Ganze gerichteten dekorativen Behandlung strebte, während die andere mehr auf die peinlich genaue, miniaturartige Wiedergabe der Einzelheiten sah.
Fast immer liegt den Stillleben ein "memento mori"-Gedanke zugrunde.


Stillleben des Barock

Die Epoche des Barock, etwa 16. bis 17. Jahrhundert, war die große Zeit des Stilllebens, welches in Holland und Flandern seine reichste Ausprägung erfuhr. Anliegen der Maler barocker Stillleben war es, mit der Wiedergabe der Gegenstände eine symbolisch verschlüsselte Botschaft, einen gedanklichen Inhalt zu vermitteln.


Hierfür bedienten sie sich einerseits Motiven, die den "Vanitas-Gedanken", also die Endlichkeit allen irdischen Seins, zum Ausdruck bringen, wie beispielsweise brennende Kerzen, Totenköpfe, Sanduhren und römische Münzen (als ein Hinweis auf das untergegangene Römische Reich). Glasvasen sind in diesem Zusammenhang besonders interessant, da sie den "Vanitas-Gedanken" durch ihre Zerbrechlichkeit und durch flüchtige Refexionen auf ihrer Oberfläche gleich doppelt ausdrücken.


Andererseits weisen vor allem niederländische Stillleben Symbole des Reichtums auf, die den der Auftraggeber und des Landes widerspiegelten.
Sowohl diesem Zwecke als auch der Darstellung des hohen Bildungsstands und der Sammelleidenschaft der Auftraggeber dienten Bilder von Kleinodien- oder Kunstkammerschränken, wie sie beispielsweise der deutsche Maler Johan Georg Hinz malte.
Zur Widerspiegelung des holländischen Wohlstands dienten auch die sogenannten Blumenstücke. Holland war bereits zur Zeit des Barocks ein Knotenpunkt des internationalen Blumenhandels und viele dieser Blumen waren sehr kostbar.
Doch auch die Blumenstücke hatten neben ihrer ästhetischen und repräsentativen Bedeutung auch eine Symbolische, da oftmals Blumen, die in der Natur zu verschiedenen Zeiten blühen, in einem Strauß arrangiert wurden, wie beispielsweise das "Blumenstück" vom Maler Ambrosius Bosschaert.


Der Reichtum, der in Holland abzubilden war, stand in krassen Kontrast zu der Leere und Kargheit, die für spanische Maler wie Juan Sánchez Cotán prägend war. Ihre Bilder waren schlicht, ärmlich und karg wie ihr Land, die abgebildeten Gegenstände meist einfache Lebensmittel wie Kürbisse und Melonen.
Manche Stillleben dieser Epoche enthielten auch Anspielungen auf die fünf Sinne des Menschen, wie beispielsweise das "Stillleben mit Schachbrett" vom Franzosen Lubin Bauguin.


Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Ausprägung des barocken Stilllebens sehr vielfältig war, die barocken Maler ihre Motive in realistischer Manier darstellten und sich um eine harmonische Komposition bemühten, die jedoch den Anschein des Zufälligen haben sollte.


Jean-Baptiste-Siméon Chardin

Um 1660 kam es zur Stagnation in der Entwicklung des Stilllebens, die Ausprägung seiner Motivgruppen war nun abgeschlossen. Künstlerisch und inhaltlich folgte nichts Neues, sodass es im 18. Jahrhundert zu einem Qualitätsverlust der Bilder kam.
Eine Ausnahme war jedoch der französische Maler Jean-Baptiste-Siméon Chardin, der von 1699 bis 1779 lebte. Er war ein Maler der Aufklärung, der Jean-Jacques Rousseaus Forderung "Retour ? la Nature - Zurück zur Natur" entsprach, wobei dies die Abkehr von der Scheinhaftigkeit der höfischen Lebensweise hin zur schlichten Natürlichkeit bedeutete. Chardin öffnete, in deutlicher Abgrenzung zur Darstellung der feinen Gesellschaft durch andere Maler, den Blick für das Leben jenseits der aristokratischen Leichtlebigkeit und der frivolen Spielerei.


Häufig stellte er in seinen stillen Bildern das bescheidene Leben des Dritten Standes dar. So unterscheidet sich auch seine Motivwahl drastisch von der des barocken Prunkstilllebens:
In den Vordergrund trat einfaches, alltägliches, bürgerliches Gerät, das er von seinem ideologischen Ballast, wie religiöse und moralische Belehrungen ( "memento mori- oder auch "Vanitas-Gedanke"), befreite. Für Chardin bedeuteten die Gegenstände nicht mehr als sie selbst. Somit wurde durch Chardin der wesentlichste Schritt zum autonomen Kunstwerk der Moderne vollzogen; sein Werk wurde zum Wendepunkt hin zur modernen Malerei.


Die Farbigkeit seiner streng aufgebauten Werke, sein aufgelöster Farbauftrag wurde von den Impressionisten als vorbildlich angesehen. Die unendlich abgestuften, innerbildlichen Farb- und Formbezüge waren ihm wichtiger als das Interesse an den dargestellten Gegenständen. Die Farbmaterie gewann somit an selbstständigem Gewicht, seine Bildgegenstände wirken dadurch wie in Farbe eingelassen.

Chardin gilt heute mit seinen nicht anmaßenden oder selbstgefälligen Sujets, die ganz der Ideologie der Aufklärer entsprachen, als einer der großen Meister der Stilllebenmalerei.

Hauptvertreter

thumb|Früchte-Teller, Balthasar van der Ast

Die Hauptvertreter der niederländischen Stilllebenmalerei sind: Jan Brueghel der Ältere, Frans Snyders, Herkules Seghers, die Familie de Heem, Abraham van Beijeren, Willem Kalf, Willem Claesz Heda, Willem van Aelst, Balthasar van der Ast, Gerard Dou, Jan Fyt, Jan Baptist Weenix, Rachel Ruysch, Jan van Huysum und andere.
Im 19. Jahrhundert kam das Stillleben wieder sehr in Mode, in Frankreich besonders durch Robie, Vollon und Ph. Rousseau, in Deutschland durch Preyer (Düsseldorf), die Berliner Hoguet, P. Meyerheim, Hertel, Th. und R. Grönland, Heimerdinger (Hamburg), namentlich aber durch die Malerinnen Begas-Parmentier, H. v. Preuschen, Hormuth-Kallmorgan, Hedinger u. a.

Im späten 19. und dem 20. Jahrhundert haben u.a. Paul Cézanne, Georges Braque, Juan Gris, Giorgio Morandi, Georgia O´Keeffe und Eberhard Schlotter dieses Genre aufgegriffen.

Fotografische Stillleben

Fotografische Stilleben wurden u.a. durch John Blackmore, Robert Mapplethorpe und viele andere geschaffen.

Siehe auch: Blumen- und Früchtemalerei.

Literatur

Vorlage:Meyers



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