Werner Bischof

Werner Bischof (* 26. April 1916 in Zürich, † 16. Mai 1954 in Peru) war einer der bekanntesten Reportage-Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Bischof begann mit 16 Jahren sein Studium an der zürcher Kunstgewerbeschule bei Hans Finsler. Vier Jahre später eröffnete er in Zürich ein Studio für Mode- und Werbefotografie. Nach einem Intermezzo als Grafiker in Paris wurde er 1939 zum Militärdienst in der Schweiz gezogen. In kurzen Phasen zwischen den Militäreinsätzen widmete er sich noch der gleichsam unschuldigen Schönheit der Naturmotive. 1942 publizierte Bischof seine ersten Photos in der neuen Monatszeitschrift Du. „Dann kam der Krieg und damit die Zerstörung meines 'Elfenbeinturms'. Das Gesicht des leidenden Menschen wurde zum Mittelpunkt." Im Herbst 1945 bereiste er Süddeutschland, Frankreich und die Niederlande und war tief beeindruckt von der Not, die ihm begegnete. 1948 war er für Time bei den Olympischen Winterspielen in Sankt Moritz, 1949 wurden seine dokumentarischen Aufnahmen in der Zeitschrift Life veröffentlicht, und er trat der neu gebildeten Arbeitsgemeinschaft magnum photos bei. Ab 1951 war er im Mittleren (Hungersnot in Bihar) und Fernen Osten unterwegs. 1953 begann er eine längere Reise durch Mittel- und Südamerika, von der er nicht mehr zurückkam: am 16. Mai 1954 stürzte sein Geländewagen bei Peña de Aguila in den peruanischen Anden einen Abhang hinab.

Bischof machte sich mit faszinierenden Kompositionen aus Licht und Schatten schon früh als Studio- und Werbefotograf einen Namen. Als er aber nach Ende des Zweiten Weltkriegs das verwüstete Europa bereisen kann, schildern seine Bilder mit beklemmender Eindringlichkeit das Leid und die Zerstörungswut des Krieges. Sein Motto wurde nun: "Es kommt nicht darauf an, aus der Fotografie wie im alten Sinne eine Kunst zu machen, sondern auf die tiefe soziale Verantwortung des Fotografen, der mit den gegebenen elementaren fotografischen Mitteln eine Arbeit leistet, die mit anderen Mitteln nicht zu leisten wäre. Diese Arbeit muss das unverfälschte Dokument der zeitlichen Realität werden." In diesem Sinne schuf Bischof Bilder, die zwar bittere Armut und tiefes Leid zeigen, doch auch Dokumente einer inneren Kraft und Willensstärke der abgebildeten Menschen sind. Die Oberflächlichkeit und Sensationslust des Redaktionsgeschäftes stießen ihn ab, dennoch wurde er meist in Krisengebiete geschickt. Trotz der äußeren Umstände aber werden in Bischofs Aufnahmen immer die Liebe zum Menschen und die Liebe zur Sache sichtbar. Ästhetisches Gefühl, elementare Formkraft und humanes Engagement verbanden sich bei ihm zu einer inneren Einheit.

Sein berühmtestes Bild zeigt einen armen peruanischen Jungen, der, gelassen-heiter und doch konzentriert in sich versunken, gleichmäßig knapp entlang eines Abgrundes vor sich hinschreitend ein Lied auf der Hirtenflöte spielt.

Werner Bischof setzte in den wenigen Jahren seiner Tätigkeit neue Maßstäbe für Qualität und Ethik in der Fotografie.

Werke

Literatur

Weblinks





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